Zeitung Heute : Zwei Reisende

Der Tagesspiegel

US-Vizepräsident Dick Cheney ist aus Nahost abgereist, ohne den erhofften Waffenstillstand verkündet zu haben. Zurückgeblieben ist sein Vermittler Anthony Zinni mit neuen Problemen und weniger Hoffnungen. Cheneys Erklärung, Palästinenserpräsident Jassir Arafat zu treffen, sofern es zu einem Waffenstillstand kommt, sollte wohl als Lockmittel dienen. Die Frage sei gestellt, ob es nicht vernünftiger gewesen wäre, wenn Cheney die 20 Kilometer nach Ramallah gefahren wäre und dort Arafat so sehr unter Druck gesetzt hätte, dass dieser einem Waffenstillstand jetzt schon zugestimmt hätte. Jede Verzögerung bringt neue Probleme. So auch diesmal: Ariel Scharon drohte bei der Pressekonferenz mit Cheney unverhohlen damit, Arafat nach seiner Reise zum Beirut-Gipfel die Rückkehr in die Autonomiegebiete zu verbieten, wenn Arafat die Waffenruhe nicht durchsetze. Dies ist eine in der arabischen Welt als überaus beleidigend empfundene Demütigung. Folglich wird nun Arafat als Vorbedingung zu seiner Zustimmung zu einem Waffenstillstand vollkommene Reisefreiheit für sich verlangen und vor allem israelische und amerikanische Garantien, dass er jederzeit wieder in seinen Herrschaftsbereich zurückkehren könne. Scharon wiederum wird seine Antwort darauf hinauszögern, und bis dahin haben islamistische Terroristen genügend Zeit, mittels neuer Anschläge die derzeit etwas gelockerte Atmosphäre wieder so zu vergiften, dass Fortschritte unmöglich werden. cal

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