Zeitung Heute : Zwei Völker, eine Stadt

Das Problem Jerusalem ist in die Zukunft verschoben – weil niemand einen Ausweg sieht

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Schon die Osloer Abkommen klammerten das Problem Jerusalem aus. Das neben der Flüchtlingsfrage wichtigste Thema sollte erst in der Schlussphase des Friedensprozesses in Angriff genommen werden. Seither hat sich die Taktik verändert, nicht aber die Größe des Problems.

Jerusalem als „ewige, für ewig wiedervereinigte, ungeteilte und so ewig bleibende Hauptstadt allein des jüdischen Volkes und nur des jüdischen Staates Israel“, so lautet die wohl vollständigste Formulierung nationalistischer Phrasologen. Palästinenser und israelische Friedensaktivisten nennen Jerusalem die „Hauptstadt zweier Völker und zweier Staaten“. Die Gegensätze könnten kaum größer sein.

Insbesondere die niemals unterzeichnete Übereinkunft zwischen dem ehemaligen israelischen Minister und Mitarchitekten der Osloer Abkommen Jossi Beilin und dem heutigen palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmus Abbas sieht die Schaffung eines palästinensischen Regierungssitzes in Ostjerusalem und den benachbarten Ortschaften vor.

Die 1967 von Israel eroberten und danach teilweise eingemeindeten und letztlich annektierten arabischen Stadtteile und die an diese anschließenden palästinensischen Gebiete würden laut Abkommen allesamt den Palästinensern zugeschlagen. Die inzwischen durch Israel bebauten Teile des ursprünglichen Ostjerusalem blieben beim jüdischen Staat.

Zwar gab Arafat niemals die Zustimmung zu diesem Plan und auch die heutige israelische Regierung unter Ariel Scharon lehnt jeden Kompromiss in Bezug auf Jerusalem ab. Aber eine andere Lösung schien damals nicht möglich, einen neuen Vorschlag gibt es nicht. Ende offen. cal

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