Zeitung Heute : Zweite Oase, links

Mieter, die ihren Hof begrünen wollen, haben viele Möglichkeiten – und sollten klare Absprachen treffen.

Markus Steuck
Pause im Schatten. Ähnlich schön wie die bekannten Hackeschen Höfe in Berlin-Mitte lassen sich auch ganz normale Hinterhöfe begrünen. Bei rechtlichen und gestalterischen Fragen sollten Mieter sich Rat von Experten holen. Foto: imago/Waldemar Boegel
Pause im Schatten. Ähnlich schön wie die bekannten Hackeschen Höfe in Berlin-Mitte lassen sich auch ganz normale Hinterhöfe...Foto: IMAGO

Ein Anblick, den gerade Berliner gut kennen: der Hinterhof eines Mietshauses, grau und trist, mit direkter Aussicht auf Mülltonnen und vor sich hinrostende Fahrräder – und ohne eine Spur von Natur. Wer das in seinem eigenen Haus ändern will, muss gar nicht so viel Aufwand betreiben. Schon mit wenigen Mitteln kann selbst in engen, dunklen Höfen Grünes und Blühendes Einzug halten: mit Pflanzbeeten, Blumenkübeln und Rankgittern und natürlich mit den richtigen Pflanzen.

Hofbegrünung verbessert das Wohnumfeld und wirkt sich gerade bei dichter Bebauung positiv auf das Bioklima aus. Vorab muss von den Mietern natürlich die Genehmigung des Hauseigentümers eingeholt werden. Die Vereinbarung sollte möglichst schriftlich fixiert werden, damit es nach dem Auszug von engagierten Mietern, dem Wechsel der Hausverwaltung oder einem Verkauf des Hauses keine Schwierigkeiten gibt. Vermieter schätzen zwar einerseits die Wohnwertsteigerung ihrer Immobilie, befürchten aber andererseits auch Schäden an der Bausubstanz. Hausverwaltungen sehen einen Mehraufwand für Gartenpflege und Laubbeseitigung, Mieter möchten dadurch keinen Anstieg ihrer Nebenkosten.

Gemeinsam lassen sich aber gute Lösungen finden. Auch der Berliner Mieterverein berät zum Thema. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, einen Pflegevertrag mit engagierten Mietern abzuschließen. Dadurch können die Betriebskosten gesenkt werden, indem die Kosten wegfallen, die normalerweise die Hausverwaltung für die Pflege der Gartenanlagen aufwendet. Außerdem kann man festlegen, wer für welche Bereiche zuständig ist. So werden die Hofreinigung oder der Winterdienst meist immer durch einen Hausmeister erledigt.

Die Sorge vor Grenzproblemen zum Nachbargrundstück ist unbegründet, wenn die Bepflanzung fachlich korrekt vorgenommen wird und die in den Paragrafen 27 bis 32 Berliner Nachbarrechtsgesetz vorgeschriebenen Abstände eingehalten werden. So muss zum Beispiel ein normalwüchsiger Baum mindestens 1,5 Meter Grenzabstand wahren, Hecken bis zwei Meter Wuchshöhe brauchen – wie alle anderen Gehölze – einen Abstand von mindestens 0,5 Metern.

Für die konkrete Gestaltung eines begrünten Wohnhofes sollte der Rat eines Gartenarchitekten oder anderer Fachleute eingeholt werden. Zunächst sollten die Anforderungen an die Funktionalität und die Bedürfnisse der Bewohner geklärt werden, um möglichst vielen Interessen gerecht zu werden. Wo sind welche Wege nötig? Welcher Raum muss für Mülltonnen oder Abstellflächen – etwa für Fahrräder – bleiben? Außerdem sollte klar erkennbar sein, welche Hofflächen öffentlich für alle Mieter zugänglich sind, wie etwa eine Rasenfläche, und welche man besser als halb öffentliche Bereiche gestaltet. So könnten die Flächen vor den Fenstern der Erdgeschossmieter zum Beispiel durch kleine Hecken abgegrenzt werden.

Wenn die grundlegenden juristischen und gestalterischen Fragen geklärt sind, kann es losgehen. Notwendiges Werkzeug und Arbeitsgeräte wie Schubkarren, Spaten, Schaufeln, Hacken, Rechen und Stemmeisen zur Flächenentsiegelung können bei den Betriebshöfen der Gartenbauämter in den jeweiligen Stadtteilen meist übers Wochenende kostenlos ausgeliehen werden. Dabei sollte eine offizielle Anfrage an den Gartenbauleiter des Bezirks gestellt werden; meist sind diese aber gerne zur Mithilfe bereit.

Vorab sollte man die Bodenstruktur untersuchen, zum Beispiel mit einem einfachen Ph-Test. Normalerweise handelt es sich in der Berliner Innenstadt um kalkhaltige sandige Trümmerschuttböden, die man durch Eingraben von Kompost, Laub und Pflanzerde nachhaltig verbessern kann.

Bei der Suche nach kostengünstigen Pflanzen und Gehölzen für die Hofgestaltung sollte man erfinderisch sein. Eine Idee wären Pflanzenspenden von Schrebergartenvereinen, die oft bereit sind, Ableger zu verschenken, die im Rahmen der jährlichen Pflegemaßnahmen sowieso auf dem Kompost oder in Biosäcken landen würden. Ansprechpartner sind hier die jeweiligen Vorstände oder direkt die Gartenpächter.

Auch Selbstanzucht von gesammelten Ablegern, Absenkern und Samen kommt infrage, da sich viele Pflanzen durch das vegetative Wachstum gut vermehren lassen. Besonders geeignet sind zum Beispiel Liguster und Weide. Ihr Gehölzschnitt von Hecken oder Einzelsträuchern treibt nach mehreren Wochen in Wasser schnell Wurzeln und kann eingepflanzt werden. Wer mit viel Vorlauf plant, kann im Winter zum Beispiel Weihnachtsbäume in Töpfen kaufen oder einfach den Barbarazweig oder Osterstrauch aufheben, bis er Wurzeln treibt.

Durch das Vereinzeln – also das Abstechen von Teilen eines dicht gewachsenen alten Wurzelballens oder von Nebenästen – lassen sich ebenfalls Ableger gewinnen. Jeder Teil der Pflanze, der auch nur eine Wurzel hat, lässt sich unproblematisch neu verpflanzen. Wenn wirklich Geld zum Pflanzenkauf zur Verfügung steht, empfiehlt sich Baumschulware. Sie ist günstiger und qualitativ besser als Grün aus dem Gartencenter – und ab zehn Pflanzen ist meist ein Mengenrabatt üblich.

Schon bei der Bepflanzung lassen sich spätere Pflegemaßnahmen der Hofbegrünung auf ein Minimum begrenzen. So kann man möglichst bodendeckende Blumenstauden und Gehölze verwenden, die zur Not auch nur mit natürlicher Regenbewässerung zurechtkommen. Auch für schattige oder trockene Standorte gibt es geeignete Pflanzen, bei denen die Blätter im Herbst nicht entfernt werden müssen, sondern als natürlicher Dünger liegen bleiben.

Geeignete Gehölze für schwierige Standorte – zum Beispiel Schattenbereiche an Hauswänden oder trockene Standorte unter Bäumen – sind die Berberitze in Sorten, der Buchsbaum, Cotoneaster in Sorten, die Kornelkirsche, Liguster, der Fünffingerstrauch-Potentilla, Rosa rugosa/carolina in Sorten, die Alpenjohannisbeere-Ribes alpinum und Spieren in Sorten. Geeignete bodendeckende Stauden sind die Geranium macrorrhizum-Gartengeranie, Efeu, Immergrün-Vinca minor oder auch die Golderdbeere-Waldsteinia ternata.

Das Autor ist Gartengestalter und Hofbegrüner

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