Zeitung Heute : Zwischen den Tagen: Zurück zur Normalität

Horst Fiedler

Sie wollen dem Feiertags-Rummel entfliehen, im Winter "Sonne tanken" oder außergewöhnlich Silvester feiern: Über Weihnachten und den Jahreswechsel zieht es viele Deutsche in die Ferne. Nach speziellen Millenniums-Reisen im vergangenen Jahr ist bei der Wahl der Urlaubsorte diesmal wieder Normalität eingekehrt. Schneebedeckte Berge und sonnige Küstenregionen sind die beliebtesten Ziele, ergab eine Umfrage bei großen Reiseveranstaltern.

Die klassische 14-tägige Schneereise hat nach Angaben des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verbandes wieder den hohen Stellenwert wie vor dem Millenniumsjahr erlangt. Ziele in den Alpen, aber auch in Harz oder Schwarzwald seien nahezu ausgebucht. "Wer noch kurzfristig zum Jahreswechsel Ski-Urlaub machen will, sollte sich für Osteuropa, zum Beispiel das relativ schneesichere Riesengebirge entscheiden", rät Verbandssprecherin Melanie Schacker. Eine Woche Vollpension im Drei-Sterne-Hotel sei dort bereits für 350 Mark zu haben.

Auf den so genannten Trauminseln Malediven, Mauritius und Seychellen seien kaum noch Betten frei. "Trotz des hohen Dollar-Kurses sind Reisen dorthin wegen günstiger Pauschalangebote für viele erschwinglich geblieben", sagt Schacker. Möglich sei dies, weil sich immer mehr Zielgebiete Konkurrenz machten. Boomende Mittelstreckenziele seien die Kanarischen Inseln und Ägypten. Sie seien wie Tunesien praktisch ausgebucht. Nur wer bei Flugdatum und Abflughafen flexibel sei, habe dort zum Jahreswechsel noch Chancen.

Es seien nicht hauptsächlich Singles und kinderlose Paare, die zu den Feiertagen verreisten, sagt Nina Dumbert vom zweitgrößten deutschen Reisekonzern C & N Touristic. "Die Urlauberstruktur ist vergleichbar mit der im Sommer." Die Veranstalter wie Neckermann verzeichneten Zuwächse bei den Trendzielen Mexiko und Thailand. Beliebt seien auch Wellness-Urlaub und Städtereisen. Bei diesen seien Vier- bis Fünf-Sterne-Hotels immer beliebter.

Es sei nicht zu erkennen, dass das frühlingshafte Wetter im November und Dezember das Buchungsverhalten beeinflusst habe, sagt Julia zur Weihen, Sprecherin von TUI, der Hauptmarke des Branchenersten Preussag. Skiurlaub buchten viele Kunden ohnehin kurzfristig. "Aus beruflichen und finanziellen Gründen sind langfristige Planungen offenbar nicht mehr möglich", vermutet sie. Ziele in der Karibik wie Kuba seien gut gebucht, eine Massenbewegung in die Dominikanische Republik wie in den vergangenen Jahren gebe es allerdings nicht mehr.

Über Silvester liegen bei Ameropa Städtereisen nach Berlin, Dresden und Wien ganz vorn. Viele Kunden lockten die Gala-Veranstaltungen in den Hotels, sagt Geschäftsführer Walter Krombach. In der Bundeshauptstadt, aber auch in Hamburg und München machten außerdem häufig teure Boutiquen direkt nach Weihnachten günstige Sonderangebote.

Der Frankfurter Reiseveranstalter Dertour organisiert für seine Kunden einen eisigen Silvesterabend auf einem zugefrorenen skandinavischen Grenzfluss, an dem eine Zeitzone verläuft. Dadurch könne die Jahreswende gleich zwei Mal gefeiert werden, sagt Sprecherin Anke Dannler. Bei den Fernzielen gebe es weiter einen Trend ins sonnige Florida, aber auch nach Südafrika.

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