Zeitung Heute : Zwischen Holz und Blech

Ein Besuch im Musikinstrumenten-Museum

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Empfangen werden die Besucher des MusikinstrumentenMuseums in Markneukirchen von einer Kuriosität. Im Eingangsbereich hängt eine Tuba von rund fünf Metern Länge. Sie wiegt über 13 Kilo. Doch diese Größe ist noch nicht einmal das Ungewöhnlichste an ihr, sondern vielmehr ihr 102 Zentimeter großes Schallstück. Wenn Heidrun Eichler Besucher durch „ihr“ Museum führt, hat sie damit einen imposanten Einstieg.

In erster Linie geht es in dem 1784 erbauten „Paulus Schlössel“, einem spätbarocken Bürgerhaus, aber nicht um Kuriositäten des Instrumentenbaus. „In unserer Region werden seit 350 Jahren Musikinstrumente gebaut“, erzählt Heidrun Eichler, die das Museum leitet. „Wir haben hier überwiegend kleine und mittelgroße Familienbetriebe, in denen noch heute sehr hochwertige Meisterinstrumente gebaut werden – und im Musikinstrumenten-Museum können wir eine prächtige Sammlung aus diesen Jahrhunderten zeigen.“

Das Museum wurde 1883 gegründet, befindet sich seit 1942 in Markneukirchen, hat heute über 3000 Instrumente aus aller Welt in seinem Bestand und 1300 davon ausgestellt. 30 000 Besucher kommen jährlich, um diesen riesigen Fundus zu sehen.

Wer die eindrucksvolle Tuba in der Eingangshalle hinter sich gelassen hat, kann durch eine übersichtliche Ausstellung in vielen kleinen Räumen flanieren. Dort wird die geschichtliche Entwicklung einzelner Instrumentengattungen gezeigt. Streich-, Blas-, Zupf- und Tasteninstrumente stehen in Vitrinen, werden zum Teil aber auch vorgeführt. Die Sammlung von Instrumenten aus Afrika, Amerika und Asien schließt den Rundgang ab.

Die 1677 in Markneukirchen gegründete erste deutsche Geigenmacherinnung war der Grundstein für eine Industrie, die das Vogtland maßgeblich prägte. Im 19. Jahrhundert erlebte sie ihre bisher wohl größte Blüte. Noch heute zeugen die Villen vom einstigen Reichtum der Händler. In der DDR sei es schwierig gewesen, das private Handwerk zu bewahren. „Heute kommen immer mehr Instrumente aus Asien“, erzählt Heidrun Eichler. „Doch die Tradition lebt hier fort.“

Die Verbundenheit der Vogtländer zu dieser Tradition scheint überdies nicht zu erschüttern zu sein. Heidrun Eichler zum Beispiel ist seit 1980 im Museum angestellt. 1995 übernahm sie die Leitung. Seit ihrem 14. Lebensjahr bereits führt sie Besucher durch die Räume. „Unsere Zukunft liegt in der Qualität“, sagt sie bestimmt. Dass die Wurzeln dieser alten Handwerkskünste in Erinnerung bleiben, dazu trage sie mit „ihrem“ Musikinstrumenten-Museum ein kleines Stück bei. rok

Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen, Bienengarten 2, 08258 Markneukirchen, Telefon: 037 422 / 20 18, Di. bis So. von 9 bis 17 Uhr. Im Internet: www.museum-markneukirchen.de

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