Zeitung Heute : Zwischen Pragmatismus und Bauchgefühl

Im US-Präsidentschaftswahlkampf haben nun auch Nevada und South Carolina ihre Favoriten gekürt. Wer hat bei den Republikanern derzeit die besten Chancen?

Christoph Marschall

Im Gegensatz zu den Präsidentschaftsrennen der jüngeren Geschichte in den USA zeichnen sich 2008 keine frühen Favoriten ab. In beiden Parteien verlaufen die Vorwahlen hoch kompetitiv. In diesen sogenannten Caucuses und Primaries stimmen die Anhänger der Demokraten und der Republikaner darüber ab, wer für sie in der Hauptwahl im November antreten soll. In aller Regel hatte in früheren Wahljahren ein Bewerber nach den ersten drei Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und South Carolina deutlich in Führung gelegen und diese Dynamik für weitere Siege genutzt.

Bei den Republikanern gewann am Sonnabend im wichtigen Südstaat South Carolina der moderate Konservative John McCain. 2000 hatte ihn dort noch George W. Bush geschlagen; das war die Vorentscheidung im Kampf um die Nominierung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Bei der parallelen Vorwahl in Nevada, dem ersten Staat im Westen der USA, siegte der mormonische Geschäftsmann Mitt Romney, der sich auf dem rechten Parteiflügel positioniert hat. McCain und Romney haben nun je zwei Staaten gewonnen: McCain New Hampshire und South Carolina, Romney Michigan und Nevada.

Gut im Rennen liegt auch Mike Huckabee, der Gitarre spielende Pfarrer und Ex-Gouverneur von Arkansas. Auch er spricht eher den rechten Parteiflügel an, insbesondere die religiöse Rechte. Er hatte die erste Vorwahl in Iowa für sich entschieden, wurde in South Carolina Zweiter und hat gute Chancen, in Florida am 29. Januar erneut zu siegen. Florida ist zugleich die letzte Chance für Rudy Giuliani: Er war Bürgermeister von New York während der Terroranschläge 2001, macht Amerikas Sicherheit zu seinem Hauptthema und setzt bei seiner Strategie auf einen Sieg in Florida. Dort führte er lange in den Umfragen, in jüngster Zeit hat ihn Huckabee eingeholt. Alle vier Republikaner suchen eine vorteilhafte Ausgangsposition für den „Super Tuesday“: Am 5. Februar stimmen die Bürger in 22 Staaten über den Wunschkandidaten in beiden Parteien ab.

Die Demokraten gingen an diesem Wochenende nur in Nevada zur Wahl. Dort siegte Hillary Clinton mit 51 zu 45 Prozent über ihren schwarzen Konkurrenten Barack Obama. Sein Team reklamierte allerdings, er sei der wahre Sieger. Wegen der regionalen Verteilung der Abstimmungsergebnisse werde er 13 Delegierte aus Nevada erhalten, Clinton nur zwölf. Sie liege vorne bei der Summe der Stimmen, er dagegen bei den Delegierten für den Nominierungsparteitag.

Der Demokrat John Edwards landete mit vier Prozent abgeschlagen auf dem dritten Platz. Clinton verdankte den Sieg wie bereits in New Hampshire ihrem starken Rückhalt unter Frauen. Von den aktiven Wählern waren 59 Prozent weiblich, sie votierten zu 51 Prozent für Clinton, zu 38 Prozent für Obama. Die schwarzen Wähler entschieden sich dagegen im überwältigenden Verhältnis (83 zu 14 Prozent) für Obama. Aus seiner Sicht ein gutes Omen für die demokratische Vorwahl am Sonnabend in South Carolina. Wenn Obama dort siegt, stände es auch bei den Demokraten zwei zu zwei.

Sorgen muss ihm jedoch machen, dass sich in Nevada zwei Drittel der Latinos für Clinton entschieden. Die Einwanderer aus Mexiko, Mittel- und Südamerika werden in großen und damit vorentscheidenden Staaten am „Super Tuesday“ eine Rolle spielen: in Kalifornien, New Jersey und New York, das zudem Hillary Clintons Heimatstaat ist. Verschaffen sie ihr auch dort mit ihren Stimmen den Sieg, würde es schwer für Obama. Bei den Demokraten zählen die Vorwahlen in Michigan und Florida nicht. Wegen eines Streits um die Terminierung hatte die Parteiführung für beide Staaten ein Wahlkampfverbot verhängt und die Delegiertenstimmen aberkannt.

Bei den Republikanern liegen noch vier Bewerber aussichtsreich im Rennen, bei den Demokraten nur zwei. Hier heißt es: eine Frau oder ein Afroamerikaner. Auch bei den Republikanern sind es im Grunde zwei Bewerbertypen, die jeweils doppelt besetzt sind. John McCain und, leicht abgeschwächt, Rudy Giuliani sind moderate Pragmatiker, die der Basis bei rechten Herzensthemen, wie einem kompletten Abtreibungsverbot, der unbeschränkten Freiheit des Waffentragens und einem harten Umgang mit illegalen Einwanderern nicht nach dem Munde reden. Romney und Huckabee sprechen mit ihrer Rhetorik gezielt dieses Bauchgefühl der Rechten an. Huckabee ist dabei der authentischere Kandidat. Romney hat die bessere Wahlkampforganisation.

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