Grüne Spitzenkandidatin : Künast kommt bei Frauen nicht mehr an

Die Grünen-Spitzenkandidatin setzt stark auf Konfrontation. Das schreckt Wählerinnen offenbar ab. Klaus Wowereit kann dagegen bei der weiblichen Wählerschaft mit seinem Image als "sozialer Typ" punkten.

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Kämpft sie noch oder gewinnt sie schon? Wohl eher ersteres: In den Umfragen stürzten die Grünen in der Wählergunst spürbar ab.Weitere Bilder anzeigen
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09.09.2011 21:33Kämpft sie noch oder gewinnt sie schon? Wohl eher ersteres: In den Umfragen stürzten die Grünen in der Wählergunst spürbar ab.

Bei Männern kommt Renate Künast gut an. Peter Eigen zum Beispiel, Transparency-Gründer und Ehemann der Sozialdemokratin Gesine Schwan, sagte am Rande einer Veranstaltung, er sei ein „großer Freund und Bewunderer“ von Künast. Sie habe „das Zeug“ zu regieren. Der Meinung sind Frauen offenbar nicht. Laut aktueller Umfrage von Infratest dimap würden bei einer Direktwahl nur noch 24 Prozent der Wählerinnen für Künast, 64 Prozent aber für Wowereit stimmen. Im Oktober 2010 sah das noch anders aus. Damals lag Künast in der Wählerinnengunst mit 41 Prozent nur einen Prozentpunkt hinter Wowereit. Warum sie glaube, dass der SPD-Spitzenkandidat generell besser bei den Wählern ankomme, beantwortete Künast einmal mit den Worten, Wowereit sei ein charmanter Mann, bei ihr müsse man zweimal hinschauen, „bis man es sieht“. Aber ist Charme für Frauen wahlentscheidend?

Vorweg: Eine einfache Erklärung, warum Künast wenig Sympathien bei Frauen hat, gibt es nicht. Die Grünen-Politikerin wirkt oft knorrig, verkrampft, distanziert. Sie setzt auf Konfrontation. Sie ist kein Typ wie Wowereit, der im Tierpark ein chinesisches Faltenschwein streichelt und dabei lächelt. Er hat Herz mit Schnauze. Künast hat die Schnauze, Herz zeigt sie weniger. „Künast ist nach außen so wie nach innen. Sie ist spröde, sie ist ehrlich. Sie ist, wie sie ist“, sagt Künasts Parteifreundin und Stadträtin Sibyll Klotz. Tough, durchsetzungsstark und zielstrebig sei Künast, sagt Fraktionschefin Ramona Pop. „Und sie kann humorvoll sein.“ Das kann sie – in kleiner Runde.

Dass Künast ein Alphatier ist, gehört für Katja von der Bey zur Kandidatur. „Künast ist ein Machtmensch. Aber so muss man sein, wenn man an der Regierung ist oder da hin will“, sagt die Geschäftsführerin der Genossenschaft „Weiberwirtschaft“, in der 1650 Unternehmerinnen organisiert sind. Dass Künast keine weiblichen Klischees bediene, sei erfreulich, sagt von der Bey. „Wir finden es gut, dass in Berlin eine Kandidatin für das Bürgermeisteramt antritt.“

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