Kultur : Biennale: Schweiz für Baukunst geehrt

Am heutigen Sonntag geht die Architektur-Biennale von Venedig zu Ende. Die Goldenen und sonstigen Löwen sind längst verteilt, doch zum Schluss gab’s noch eine besondere Ehrung. Der Begleitband zur Präsentation der Schweiz wurde unter 193 Einsendungen mit dem Preis des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt in der Sparte „Ingenieursbaukunst“ ausgezeichnet. Der Schweizer Pavillon hätte eigentlich einen Goldenen Löwen verdient gehabt; der Buchpreis ist ein Trost. Jürg Conzett, selbst Architekt, hat gemeinsam mit dem Fotografen Martin Linsi die eidgenössischen Kantone durchwandert und jene „Kunstbauten“, jene Brücken, Stege, Tunnel und Stützmauern aufgespürt, die einen bewussten Bezug zur Landschaft oder zur gebauten Umgebung aufweisen, die also das technisch-konstruktive Moment mit dem architektonisch-ästhetischen verbinden. Das Ergebnis ist atemberaubend, auf den großen Fototafeln des Pavillons in Venedig sowieso, aber auch im kleineren Format des Buches (Verlag Scheidegger & Spiess, Zürfich, 272 Seiten, 39,25 €).

Von 1545 bis 2010 reichen die Daten der Erbauung; wobei die Kinnbrücke von 1545 mit ihrem kühn gemauerten Bogen ein staunenswertes Zeugnis früher Ingenieurskunst darstellt. Diesem Vorbild haben sich die Schweizer Brückenbauer stets gewachsen gezeigt. Der uralte Gegensatz von Ingenieur und Architekt ist bei den Eidgenossen nicht immer, aber doch erstaunlich oft aufgehoben. Hoffentlich wirkt dieser Anstoß der Biennale weit, weit in die Zukunft hinein. BS

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