Politik : Kampf gegen Terror: US-Elitekämpfer in Afghanistan

Markus Feldenkirchen

Die Jagd nach den Helfern und Drahtziehern der Terroranschläge vom 11. September ist nach den Worten von US-Präsident George W. Bush "in vollem Gange". Nach US-Medienberichten sind bereits seit einigen Tagen Elitekämpfer der USA und Großbritanniens in Afghanistan im Einsatz. Bush sagte, die USA hätten ihre Lehren aus dem Scheitern Russlands im Afghanistan-Krieg gezogen. "Es gibt keinen Zweifel daran: Wir sind (den Terroristen) dicht auf der Spur", fügte er hinzu. Bei einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. am Freitag in Washington hob der US-Präsident hervor, dass im Kampf gegen den Terrorismus einige Aktionen von den Menschen im Fernsehen gesehen werden könnten, andere aber nicht.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern Der US-Sender CNN zitierte einen hohen Regierungsbeamten mit den Worten, die Spezialeinheiten hätten in den vergangenen Tagen "Operationen" in Afghanistan durchgeführt. Dabei handele es sich um eine Art Vorhut etwa zur Erkundung des Terrains und möglicher Landeplätze, hieß es weiter.

Zuvor hatte die Zeitung "USA Today" berichtet, die Einheiten hätten den Auftrag, Osama bin Laden gefangen zu nehmen, zu töten oder so lange festzusetzen, bis die USA mit ihren Luftangriffen beginnen können. Die Sonder-Kommandos seien bereits zwei Tage nach den Anschlägen vom 11. September in den pakistanischen Städten Peschawar und Kuetta gelandet. Mit Unterstützung von Hubschraubern seien sie dann nach Afghanistan vorgedrungen. Allerdings hätten sie Probleme, bin Laden zu finden. Gruppen aus je drei bis fünf US-Kommandos suchten um Kandahar im Südwesten des Landes in Höhlen und unterirdischen Verstecken nach bin Laden, der als Drahtzieher der Anschläge auf New York und Washington verdächtigt wird. Den Bericht wollte das Weiße Haus nicht kommentieren.

Bei möglichen Vergeltungsangriffen für die Terroranschläge in den USA können die USA eine Luftwaffenbasis in Saudi-Arabien nutzen. Ein Diplomat sagte am Freitag in Dubai, Riad habe nichts dagegen, dass die Vereinigten Staaten auf die Prince Sultan Air Base als Kommandozentrale zurückgreifen.

Wie der russische Fernsehsender RTR aus der usbekischen Hauptstadt meldete, traf US-Staatssekretär John Bolton am Freitag zu Geheimgesprächen in Taschkent ein. Ein US- Militärtransportflugzeug vom Typ "Herkules" überflog indessen den Luftraum über Kasachstan in Richtung Usbekistan.

Einer pakistanischen Delegation gelang es am Freitag nicht, die Taliban-Führung in Afghanistan doch noch zu einer Auslieferung bin Ladens zu bewegen. Ein pakistanischer Geistlicher, der der Delegation angehörte, erklärte, die Haltung der Taliban zu bin Laden habe sich nicht geändert. Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar habe mitgeteilt, dass zunächst die USA ihre "Sturheit aufgeben" müssten.

Trotz des wachsenden internationalen Fahndungsdrucks und des Einfrierens von Vermögen mutmaßlicher Sympathisanten hält Osama bin Laden nach einem Zeitungsbericht am Ziel seiner Organisation Al Qaida fest. Keine Macht der Welt könne die Menschen, die den Heiligen Krieg liebten, von ihrem Weg abbringen, zitierte eine rechtsgerichtete islamistische Zeitung in Pakistan bin Laden Freitag. Die Zeitung "Ummat", die in Karachi erscheint, übergab den Taliban eigenen Angaben zufolge mehrere Fragen für bin Laden und erhielt über die Taliban dann schriftliche Antworten.

Bei der Aufklärung der Terroranschläge machten die Ermittler unterdessen offenbar weitere Fortschritte. Ein in Großbritannien verhafteter algerischer Pilot bildete nach Angaben der Behörden die Entführer der Maschine aus, die auf das Pentagon in Washington stürzte. Der 27 Jahre alte Lotfi Raissi wurde am Freitag in London dem Haftrichter vorgeführt. "Er war ein Hauptausbilder von vier der Piloten, die für die Entführungen verantwortlich waren", sagte Anklägerin Arvinda Sambir. Raissis Anwalt erklärte, sein Mandant weise jede Beteiligung an den entsetzlichen Tragödien zurück. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war der Algerier mehrere Male in den USA und soll dort auch einen der späteren Entführer getroffen haben.

Die Fahndung nach den Hintermännern der Terroranschläge von New York und Washington verhinderte außerdem mindestens zwei weitere Attentate, wie aus amerikanischen Regierungskreisen verlautete. Demnach waren Anschläge auf die US-Botschaft in Paris und eine Militäreinrichtung in Brüssel geplant, die auf Grund der bei den zahlreichen Razzien sicher gestellten Beweise verhindert werden konnten, hieß es.

Der britische Europaminister Peter Hain warnte unterdessen davor, dass bin Laden neue Terroranschläge plane. "Nach meinen Erkenntnissen bereitet er für die kommenden Wochen Anschläge von großer Gewalt vor, wenn er dazu in der Lage ist", sagte Hain dem britischen Rundfunksender BBC. Der britische Premierminister Tony Blair relativierte diese Aussage später und erklärte, es liege keine konkrete Warnung für Großbritannien vor.

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