Dreharbeiten in Berlin : 400 Meter Ku'damm auf der Richard-Wagner-Straße

Nicht nur für "Homeland" wird in Berlin gedreht: Für den ZDF-Dreiteiler "Ku´damm 56" verwandelt sich die Richard-Wagner-Straße in den Kurfürstendamm der 50er Jahre

Tabea Pauli
Aufbau des Sets an der Richard-Wagner-Straße, im Hintergrund der Schriftzug der "Galant"-Tanzschule
Aufbau des Sets an der Richard-Wagner-Straße, im Hintergrund der Schriftzug der "Galant"-TanzschuleFoto: Tabea Pauli

Wenn man vom U-Bahnhof Richard-Wagner-Platz den Ausgang an der Haubachstraße nimmt, landet man in diesen Tagen direkt im Jahr 1956. Statt Buchhandlung und Restaurant, deren Schaufenster hier normalerweise zu sehen sind, findet man an der Straßenecke einen Pelzladen, über den beiden Geschäften daneben hängen alte Neonschriftzüge und auf dem Mittelstreifen steht einige Meter weiter ein grüner Pavillon, in dem Zeitschriftentitel aus den Fünfzigern im Fenster hängen.

Die Läden sind allerdings kein Relikt aus alter Zeit, sondern werden seit Dienstag sorgfältig von den Mitarbeitern eines Filmteams aufgebaut und gestaltet: Für die Dreharbeiten des ZDF-Dreiteilers „Ku´damm 56“ wird die Richard-Wagner-Straße in Charlottenburg zum Kurfürstendamm der 50er Jahre.

Der Ort hat gut zu den geplanten Szenen gepasst, erzählt ein Crewmitglied, viel erinnert hier noch an die 50er: Die meisten Häuser sind Altbauten, ganz in der Nähe steht noch eine alte Litfaßsäule. Außerdem gibt es auf der Straße einen Mittelstreifen, wie es ihn auf dem Ku´damm auch in den fünfziger Jahren auch gab, das sei für den Film wichtig. Im Mittelpunkt steht allerdings der Hauseingang der Richard-Wagner-Straße 37, der für die nächsten Tage „Ku´damm 56“ heißt.

Modische Zeitreise: Die Schauspielerinnen Sonja Gerhardt Maria Ehrich und Emilia Schüle (v. l. n. r.) am Set.
Modische Zeitreise: Die Schauspielerinnen Sonja Gerhardt Maria Ehrich und Emilia Schüle (v. l. n. r.) am Set.Foto: Jörg Carstensen / dpa

Hier befindet sich im Film die Tanzschule „Galant“, in der die Familiengeschichte rund um die Inhaberin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) erzählt wird: Sie gerät in einen Konflikt mit ihrer Tochter Monika (Sonja Gerhardt), die sich ihrer konservativen Mutter entgegenstellt und sich nicht dem Frauenbild von damals anpassen will. Auch ihre beiden Schwestern Helga (Maria Ehrich) und Eva (Emilia Schüle) geraten dabei zwischen die Fronten und müssen sich mit ihrer Rolle als Frau auseinandersetzen.

"Die männlichen Rebellen der 50er Jahre wie James Dean, Marlon Brando und Horst Buchholz sind zu Ikonen geworden. "Ku´damm 56" widmet sich nun zum ersten Mal den jungen Frauen dieser Zeit, die nicht nur mit der bigotten Moral, sondern darüber hinaus mit einem biederen, festsitzenden und fatalen Rollenverständnis kämpften. Es herrschte Gehorsam vor. Aber die Rebellion kam an anderer Stelle umso stärker zum Ausbruch: im Rock´n´Roll, der wie eine Naturgewalt hervorbracht.

Kein Wunder, dass die Eltern es mit der Angst bekamen.", so schreibt es die Drehbuchautorin Annette Hess. Sie sei die "Seele" und das "Kraftzentrum" in diesem Filmprojekt, sagt Heike Hempel, die verantwortliche ZDF-Hauptredaktionsleiterin. Gemeinsam mit den Produzenten Nico Hofmann und Benjamin Benedict von UFA Fiction, die unter anderem für "Unsere Mütter, unsere Väter" bekannt sind, haben sie nach anderthalb Jahren Arbeit an der Idee zu "Ku´damm 56" schließlich Mitte Juli mit den Dreharbeiten begonnen. Insgesamt sind neben dem Team, dem auch Regisseur Sven Bohse angehört, 60 Schauspieler - unter anderem Uwe Ochsenknecht und Heino Ferch - und 1400 Komparsen an dem Film beteiligt.

Über eine Fortsetzung in Form einer Serie hätten sie schon nachgedacht, sagt Nico Hoffmann. Nachdem sich auch ihre Produktion "Unsere Mütter, unsere Väter" in über einhundert Länder verkauft hat, spreche nun nichts dagegen, dass auch "Ku´damm 56" international so erfolgreich werden kann. Erst einmal wird aber noch bis Oktober gedreht, mit der Ausstrahlung ist dann voraussichtlich im Frühjahr 2016 zu rechnen.

In der Richard-Wagner-Straße finden noch bis Montag früh Dreharbeiten statt. Für vier Tage wurden Parkverbote auf der Richard-Wagner-Straße zwischen der Otto-Suhr-Allee und der Zillestraße erhoben: Fr. 9-13 Uhr und 18-21 Uhr, Sa. 7-21 Uhr, So. 15 Uhr – Mo. 7 Uhr. Die Straße ist dann außerdem für Verkehr in beide Richtungen gesperrt, am Freitag und Samstag durchgängig schon ab 8 Uhr.

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