Transfermarkt : Kaká: Lieber Gott als Scheich

Kaká lehnt Manchesters traumhaftes Angebot ab. "Gott hat es mir geraten", sagte der brasilianische Fußball-Star hinterher.

Paul Kreiner
AC Milan v ACF Fiorentina - Serie A
Kaká (l.) gibt seinen Kollegen und den Fans vom AC Mailand den Vorzug vor Manchester City. -Foto: Getty Images

Rom - Wer war David Beckham? Vor wenigen Wochen erst ist ein Mensch dieses Namens in Mailand eingeschwebt. Glamourös. Mit noch glamouröserer Ehefrau. Unter einem Tifosi-Taumel und einem Medienrummel sondergleichen. Für wie viele hunderttausend Euro haben die beiden sich gleich in Mailands Modemeile eingekleidet? Und was war dieser Beckham eigentlich von Beruf?

Alles weg, vergessen. Weggewaschen von den Schmerzens- und dann den Freudentränen um einen anderen, um Ricardo Izecson dos Santos Leite, den sie alle nur Kaká nennen. An die 125 Millionen Euro hat der Scheich von Abu Dhabi geboten, nur um den knapp 27 Jahre alten Brasilianer in seine frisch gekaufte Mannschaft, zu Manchester City, abzuwerben.

Da fegte ein Sturm durch Mailand. „Hände weg von Kaká!“ schrien die Tifosi und belagerten das Gebäude, in dem der Spitzenfußballer samt Frau und Kind residiert. Zwischendurch wurde Silvio Berlusconi schwach, Italiens Ministerpräsident und Milans Klubpräsident. 8,5 Millionen Euro hatte er für Kaká 2001 an São Paulo bezahlt; das Fünfzehnfache sollte er jetzt bekommen, er hätte es gebrauchen können für seinen als überaltert angesehenen Spielverein. Und dann für Kaká die 18 bis 20 Millionen Euro, die er pro Saison erhalten sollte: „Bei gewissen Angeboten ist es schwierig, einen Menschen zu halten“, sagte Berlusconi – dafür bekam er aus der Kurve die Quittung: „Dann verkauf'' doch den ganzen Verein!“, stand auf einem Spruchband.

Die Quote der Ablehnung stieg im ganzen Land. Selbst die einflussreiche Börsenzeitung „Milano Finanza“ schaltete sich ein. Sie schrieb einen offenen Brief an den „Ehrenwerten Berlusconi“: „Wenn Sie Kaká jetzt verkaufen, begehen Sie nicht nur einen technischen Fehler für Ihre Mannschaft, sondern einen gravierenden politischen Fehler.“

Am Montagabend war die Sache ausgestanden. Hektische Verhandlungen hier und dort; aus Brasilien war sogar Papa Leite eingeschwebt, der die Interessen seines prominenten Sohnes vertritt. Zwischendurch hatte Kaká pathetisch gemeint, er würde „gerne mit Milan alt werden“, aber das war wohl nicht der letzte Stand, sonst hätte alles nicht so lange gedauert. Am Ende verkündete Kaká sein Bleiben: Er habe auf sein Herz gehört, „Gott hat es mir geraten“.

Berlusconi verkündete: „Kaká ist ein großer Spieler und ein großer Mensch. Er hat gezeigt, dass Geld im Leben nicht alles ist. Er bleibt beim AC Milan.“ Wie viele Euro er selbst aufgeboten hat, sagte Berlusconi nicht. Kaká erschien am späten Abend den Fans von seinem Fenster aus. Er lächelte nicht. Aber er legte die Hand mehrfach auf sein Herz. Und die Tifosi jubelten vor Dankbarkeit. Paul Kreiner

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