"re:publica"-2011-Fazit : Nachrichten aus der Echobox

Die "re:publica 11" war spannend, ja. Aber ihr ewiges Selbstgespräch hat die Bloggerkonferenz auch in diesem Jahr geprägt. Das Wort von der "Echo-Box" machte die Runde. Eine durchaus treffende Beschreibung.

Jonathan Lütticken

Ein Begriff machte die Runde auf der diesjährigen "re:publica". Amerikanische Medienwissenschaftler prägten die Theorie sich selbst verstärkender Kommunikationsräume, so genannter Echo-Boxen. Die heutigen Medienkonsumenten nutzen in der Regel nur Plattformen und Kanäle, die ihre eigene Meinung unterstützen. Sie erfahren nur noch, was sie ohnehin denken. Wie ein Echo senden die Medien die Informationen zurück, die der Konsument sendet.
Insbesondere im Internet ist dieses Phänomen zu beobachten. Social-Media-Dienste und Feeds zeigen nur die Nachrichten, die man selbst ausgesucht hat. Kein Wunder, dass der Begriff Echo-Box nun auf der deutschen Blogger-Konferenz Re:publica in aller Munde ist. Es war ihm sogar ein eigenes Panel gewidmet.
Auch Fachkonferenzen wie die "re:publica" funktionieren als Echo-Boxen. Der Besucher wird tief in die Welt der Blogger gesogen - das Programm bietet viel Marketing, Politik, Recht und Unterhaltung - aber alles aus der Sicht der Blogger. Und jeder hat einen Twitter-Account. Sogar die Vertreter von Zeitungen und Fernsehen aus der Generation der Internetausdrucker haben ihre Twitter-Pseudonyme mit Edding auf die Namenskarten gemalt. #flittern - flirten via Twitter - jederzeit möglich.
Und in jedem Panel wiederholt sich das Echokammer-Prinzip. Beim Thema "Was würden wir gerne sehen bei öffentlich-rechtlichen Web-TV Formaten" sitzen fast ausschließlich Vertreter der Sendeanstalten und deren Auftragsproduzenten im Publikum. Nur zwei 'echte' Zuschauer outen sich in der Diskussion. Die Box spricht mit sich selbst. Input/Output: Fehlanzeige.

Außenkommunikation ist nur in Einzelfällen erwünscht. Lieber ein paar interessierte Zuhörer als gelangweite Massen, beurteilt Alexander Ertl die Besucher seines Fussballblogger-Panels. "Es waren nicht viele, aber es hat eine sehr schöne Diskussion gegeben." Über 45 Minuten blieb das diskussionsfreudige Publikum länger sitzen. Insbesondere dank des hochinteressantem Inputs. Thomas Schneider, Fanbeauftragter der Deutschen Fußball-Liga, plauderte munter aus dem Nähkästchen und wirbt bei den Bloggern um Verständnis für die Probleme von Vereinen, Liga und Journalisten im Netz. Immerhin tut sich etwas. Vor einem Jahr wäre es undenkbar gewesen, dass die DFL einen Vertreter zu den Bloggern schickt.
Es geht also aufwärts, immerhin kommen sie jetzt, die 'Internetausdrucker' aus Medien und Verbänden. Aber das Selbstverständnis der "re:publica"-Macher war immer auch, dass sie eine Außenwirkung in die Gesellschaft haben sollte. Da reicht die Nabelschau nicht aus, und die Gründung eines Vereins "Digitale Gesellschaft" zur besseren Kommunikation der Anliegen der Netzgemeinde ist ein logischer Schritt von "re:publica"-Mitorganisator Markus Beckedahl. Die erklärten Kämpfer gegen den Lobbyismus haben ihren ersten Lobby-Verband. Wie gut der neue Output aus der Box in Zukunft funktioniert, wird die Zukunft zeigen.

Jonathan Lütticken, Jahrgang 1979, war für Tagesspiegel.de als "Telekom-Twitter-Reporter" auf der "re:publica" unterwegs. Im richtigen Leben ist er Community Manager und bloggt derzeit auf www.zeichenlese.de und twittert als @RJonathan.

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