"4Blocks"-Schauspieler Frederick Lau : "In Paris bin ich höflich, in Berlin Berliner"

Geboren in Steglitz, Abhängen in Kreuzberg, Unterwelt in Neukölln: Schauspieler Frederick Lau im Gespräch über Berlin, Filmbusiness und Braten mit Kloß.

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Kannste nich meckern. Frederick Lau, Sohn eines Trödelhändlers und einer Krankenschwester, wurde im August 1989 in Berlin-Steglitz geboren. Der 27-Jährige dreht, seit er zehn ist. Spätestens seit dem Film „Victoria“ ist er der Star mit dem Berlin-Appeal.
Kannste nich meckern. Frederick Lau, Sohn eines Trödelhändlers und einer Krankenschwester, wurde im August 1989 in...Foto: Pedersen/dpa

Herr Lau, was ist so schön an Steglitz, dass Sie da für immer und ewig bleiben wollen?

Ich bin dort geboren und aufgewachsen. Und es gibt eine Menge ehrlicher Leute in dem Viertel, das weiß ich zu schätzen. Steglitz ist meine Heimat und mein Zuhause, ganz einfach.

Ist Steglitz anders als andere Berliner Bezirke?

Ich finde schon. Wenn ich nach Pankow fahre oder in den Prenzlauer Berg, dann ist das schon eine andere Welt. Die Leute sehen anders aus als in Steglitz und sie sprechen auch anders. Ich meine jetzt nicht spanisch oder englisch, sondern berlinerisch.

Sie als geborener Steglitzer und damit echter Berliner: Verraten Sie uns, was einen echten Berliner auszeichnet?

Das weiß ich auch nicht so genau. Aber vielleicht ist das jemand, der sich nicht alles erzählen lässt und die Ruhe behält, wenn andere hektisch werden. Der Berliner hat schon einiges gesehen und erlebt und lässt sich nicht so einfach überraschen. Sagen wir: Der Berliner hat eine gewisse Gelassenheit und Abgeklärtheit.

Der Berliner als Idealtypus des aufgeklärten Skeptikers?

So könnte man es sehen.

Steglitz oder Neukölln?

Wo ist mehr Berlin: Steglitz oder Neukölln?

Für jemanden, der zum ersten Mal nach Berlin kommt, sicher in Neukölln. In Steglitz ist das Nachtleben doch eher überschaubar und das Leben ist insgesamt beschaulicher. Aber ich bin jetzt 27 und habe Familie, da ist das Nachtleben nicht mehr ganz so wichtig für mich.

Wie oft sind Sie in Neukölln? Es ist ja ein weiter Weg von Steglitz.

Schon öfter. Auch wenn ich mit meinen Freunden eher in Kreuzberg abhänge. Wenn man das Neukölln von heute mit dem von vor zwanzig Jahren vergleicht, dann hat sich irre viel verändert. Früher war die Sonnenallee richtig gefährlich, da wollte man nicht wirklich hin. Jetzt reihen sich dort Restaurants an Hipster-Kneipen, das ist eine ganz andere, neue Welt geworden.

Sehen wir in „4 Blocks“ das alte oder schon das neue Neukölln?

Ich glaube, von beidem etwas. Die Neuköllner sind mit der Zeit gegangen, manche haben sich rechtzeitig Mietshäuser gekauft und sind jetzt Millionäre. Aber die Unterwelt gibt es immer noch, keine Sorge.

Berlin, Berlin, Berlin – alle drehen Serien in Berlin. Ist Berlin das neue New York?

Berlin war doch immer schon etwas Besonderes. Und eine Filmstadt, über die es viel zu erzählen gibt. Vielleicht nicht unbedingt über Steglitz – obwohl ich das gut finden würde. Aber in Berlin findest du alles, was du für eine gute Geschichte brauchst.

Werden Sie in der Welt als Berliner erkannt? Ist es ein Plus, Berliner zu sein?

Ich sehe es als Plus, das ist mal klar. Wenn ich nach einer Reise wieder in Berlin lande, dann merke ich richtig, wie sich meine Haltung, auch körperlich, ändert: wie es eben so ist, wenn man in seine Stadt zurückkehrt. Zu Hause tritt man irgendwie anders auf. In Paris bin ich höflich und bescheiden, weil ich Gast bin. In Berlin bin ich Berliner.

Und da kann man auch mal die Klappe aufreißen.

So ist es!

Schwer kriminell. Kida Ramadan (links) und Frederick Lau in der TNT-Serie „4Blocks“.
Schwer kriminell. Kida Ramadan (links) und Frederick Lau in der TNT-Serie „4Blocks“.Foto: TBS/dpa

Was halten Sie von dem Run auf Berlin, der manchen Berlinern auch mal zu viel wird?

Ich finde es toll, wenn sich viele Menschen für unsere Stadt interessieren. Berlin soll bunt bleiben, wir wollen ja nicht Provinz werden. Ich finde es großartig, wenn die ganze Welt nach Berlin kommt und Spaß hat. Das bringt ein Lebensgefühl mit sich, das ich gut finde.

Herr Lau, Sie sind der erste Berliner Judomeister, den wir mit dem schönen Satz zitieren dürfen: „Ich sehe mich mehr im Kunstfilm.“ Was sagt uns das?

Ich habe viele Arthouse-Filme gemacht, weil ich langsam erzählte Geschichten liebe, in denen eine Entwicklung und Emotionen gezeigt werden. In denen sich der Schauspieler entfalten kann und es möglich ist, in die Tiefe zu gehen. Wenn der Schauspieler genial ist und mich in eine andere Welt eintauchen lässt, dann schaffe ich es auch, mir einen vier Stunden langen Film anzusehen. Ein Film kann wie ein Gemälde sein, in dem du immer wieder etwas Neues entdeckst. Mein letzter Film „Gutland“ ist so ein Beispiel, der kommt demnächst in die Kinos.

Was ist bei solchen Filmen anders als bei normalen Kommerz-Produktionen?

Man hat Zeit, sich zu besprechen, Pläne zu machen, etwas zu entwickeln. Es kommt, wie es kommt.

Klingt wie in guten alten Hippie-Zeiten ...

... ist doch schön, oder?

Aber man kann’s kaum glauben.

Wir machen weniger Einstellungen, lassen uns dann aber für die einzelnen Szenen mehr Zeit. Das Blöde ist, dass den Arthouse-Produktionen nicht so viel Geld zur Verfügung steht wie einer Mainstream-Produktion. Aber: Das Resultat kann sich meistens sehen lassen.

Der Tagesspiegel hat Sie 2015 zum deutschen Schauspieltalent des Jahres ausgerufen. Wo stehen Sie heute? Sind Sie schon einen oder vielleicht zwei Schritte weiter?

Ich glaube schon, dass ich Talent habe. Und ich bin ja noch jung. Da geht noch was. Daumen drücken!

Sie drehen, seit Sie zehn sind. Und sind mit 27 fast, was man einen alten Hasen nennt. Unheimlich, oder?

Ich kenne mich schon ein bisschen aus, wenn es um Film geht, okay. Aber ich bin immer noch aufgeregt, wenn ich zum Set komme. Und freue mich immer noch total drauf, etwas mit den anderen zusammen zu kreieren.

Sind Sie der Star oder einer von vielen?

Ich mache jedenfalls nicht auf Star. Dazu habe ich viel zu viel Respekt vor den anderen. Mein Vater hat mir als Kind, bevor ich ans Set ging, immer gesagt, enttäusche die Leute nicht. Das hört sich hart an, aber ich halte mich daran. Den Respekt, den ich den anderen entgegenbringe, möchte ich auch zurückbekommen. Wenn das funktioniert, ist alles gut.

Freundschaft ist Ihnen wichtig.

Sehr wichtig. Ich habe das große Glück, meistens mit Freunden arbeiten zu dürfen. Wie auch bei „4Blocks“. Das gibt einem ein Gefühl von Freiheit, das einfach guttut.

Wenn ein Drehbuch nicht fesselt - weg damit!

Spielen Sie alles, was man Ihnen anbietet?

Die Rolle muss mir schon gefallen, klar. Ich lese das Drehbuch und weiß ziemlich schnell, ob das was für mich sein könnte oder nicht. Entweder es fesselt mich oder eben nicht. Wenn nicht, weg damit, nächstes Buch, eine zweite Chance gibt's bei mir selten.

„Tatort“-Kommissar ist nicht Ihr Ding?

Mein Freund Kida Ramadan, der auch bei „4Blocks“ dabei ist, ist ja der Meinung, wir beiden wären die idealen Kommissare. Aber ich bin mir da nicht so sicher. Außerdem bin ich Kino-Fan.

Herr Lau, wir wissen, dass Sie nichts mehr schätzen als ab und zu einen Kloß mit Bratensoße. Wann konnten Sie zuletzt diesem Vergnügen frönen?

Vor sechs Wochen, als wir in Polen gedreht haben. Lecker, kann ich Ihnen sagen, echt lecker. Zum Reinsetzen.

Wie ist es mit Selberkochen?

Wenn Sie unbedingt wollen, dass Ihre Küche total verwüstet wird, kann ich ja mal vorbeikommen.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

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