50 Jahre "Mit Schirm, Charme und Melone" : "Mrs Peel, wir werden gebraucht!"

Lieber spät als nie. 1966 landet "Mit Schirm, Charme und Melone" im deutschen Fernsehen. Auf den Kinofilm von 1998 hätte man aber besser verzichtet.

Psychedelisch frech. John Steed und Emma Peel waren das beliebteste Duo in der Schirm-und-Charme-Geschichte.
Psychedelisch frech. John Steed (Patrick Mcnee) und Emma Peel (Diana Rigg) waren das beliebteste Duo in der...Foto: dpa

Sie entschärfen Atombomben. Sie kämpfen gegen Killer-Roboter. Doch finden sie stets noch Zeit, bei Champagner heiter miteinander zu flirten. Patrick Macnee als John Steed und Diana Rigg als Emma Peel waren das Agenten-Traumpaar der Swinging Sixties. Vor 50 Jahren – am 18. Oktober 1966 – ermittelten sie in „Mit Schirm, Charme und Melone“ erstmals im deutschen Fernsehen.

Die Briten kannten die Serie „The Avengers“ bereits seit Anfang 1961. Schauspieler Wolfgang Bahro („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“) ist großer Fan: „Ich habe die Serie als Kind gesehen und war begeistert. Erst einmal dieses sehr Britische, dann dieses Skurrile. Es war außergewöhnlich, was da passierte.“ Die Fälle des stets aufgeräumten Dandys John und der superintelligenten sexy Karatekämpferin Emma beginnen klassisch mit einem Verbrechen oder unerklärlichen Vorfall. Doch dann kommt es faustdick: Ein Schurke mit Zeitmaschine. Verschwörer mit einer unterirdischen Stadt. Eine Comicfigur, die zum Leben erwacht.

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Der psychedelische TV-Import fand bei verschiedenen deutschen Sendern eine Heimat: Erst beim ZDF, später bei Sat 1 und Arte. Die nach Deutschland gelangten Krimis mit dem Gespann Macnee/Rigg sind das Herzstück der britischen ITV-Serie „The Avengers“, die mit wechselnden weiblichen Helden von 1961 bis 1969 lief. Nie war das Format so stark und so witzig wie in diesen zwei Staffeln, die entstanden, bis Diana Rigg für einen Bond-Film ausstieg. Andere „Avengers“-Episoden wurden in Deutschland nie gezeigt oder gerieten in Vergessenheit.

Die heitere Koketterie eines Eton-Schülers (der Schauspieler Patrick Macnee auch im echten Leben war) zeigt sich in Reinform, als Steed mit blauem Auge und jammernd aus einer Schurkenzentrale zurückkommt. Emma fragt: „Sie sind doch bestimmt schon woanders hinausgeworfen worden.“ Er kontert pikiert: „Aber nur aus ersten Häusern.“ Dass er beim Undercover-Einsatz in einer Butlerschule der Klassenprimus ist, dürfte keinen Zuschauer verwundern. Bis zur letzten Episode siezt sich das Duo und bleibt beim Nachnamen. Very british. Macnee sei „ein wahrer Gentleman“ gewesen, erinnerte sich Bond-Darsteller Roger Moore an seinen langjährigen Freund, als Macnee 2015 mit 93 Jahren starb. „England hat eine Ikone und ein Vorbild verloren“, trauerte TV-Kritiker Oliver Kalkofe. „Niemand trug die Melone mit mehr Stil und Lässigkeit als John Steed.“

Agententricks auf Bond-Niveau

Dank Metallboden diente der Hut in der Serie sogar als Waffe. Hinzu kam der Regenschirm mit einem Degen im Inneren, den der coole Agent in Notlagen einsetzte. Schusswaffen benutzten die zwei Helden nur in seltensten Fällen. Auch Blut war so gut wie nie sichtbar. Die Produzenten von „Mit Schirm, Charme und Melone“ hatten nicht viel Geld zur Verfügung, doch ihre Drehbücher waren in den besten Jahren immer exzellent. Sie sind gespickt mit Wortspielen. Das fängt mit dem Namen der Heldin Emma Peel an, eine Verballhornung von „Man Appeal“. Diese Heldin ist ebenso sexy wie jedem Mann gewachsen.


Das im Juli 1938 geborene Bond-Girl Diana Rigg gilt als eine der atemberaubendsten Frauen der 60er Jahre. Ihr hautenger Kampfanzug, zuerst aus Leder, dann aus Vinyl oder Stoff, ist in jeder Folge ein Hingucker. Trotz Emmas umwerfenden Sex-Appeals gibt es in der ganzen Serie nur ein halbes Dutzend Küsse. Davon muss man einen abziehen: Ein schurkisches Paar hatte mit John und Emma die Körper getauscht. So beliebt die Serie über Jahrzehnte hinweg gewesen ist, so deutlich floppte der 1998 aufgelegte Kinofilm mit Uma Thurman (Emma) und Ralph Fiennes (John). 1999 erhielten die Macher den Negativpreis „Goldene Himbeere“ für das „Schlechteste Remake“. Christof Bock/dpa/dlü

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