Medien : Abenteurerblut

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Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einem Bahnsteig der DB, warten auf einen Zug, der möglicherweise sogar pünktlich kommt, und Ihr Blick fällt auf dieses Plakat: Ein Mann, Mitte Dreißig, leicht gehobenes Management, sitzt locker zurückgelehnt in einem Sessel (Zugabteil?) und schaut zufrieden in seine ungewisse Zukunft. In Kopfesnähe die Textzeile: „Leben ist schön. Ich habe gerade Blut gespendet.“ Unten auf den Plakat die Aufforderung „Spende Blut beim Roten Kreuz“.

Ein reichlich dummes Plakat. Aber immerhin erfahren Sie, dass Blutspenden was für Ihr soziales Ego tut, falls dieses auf anderem Gebiet keine Entfaltungsmöglichkeiten hat.

Offenbar ließ sich der Werbeleiter des Roten Kreuzes ein bisschen zuviel der kostbaren Flüssigkeit abzapfen, was zwangsläufig zu Verwirrungszuständen führt. Die Folge: Er nötigte den Grafiker, auf dem Plakat eine weitere Aussage unterzubringen: „Abenteuer Menschlichkeit.“ Zuerst dachte ich, dass Kritiker des Roten Kreuzes den Text nachträglich draufgeklebt hatten, um auf die wundersamen Wege bestimmter RK-Blutkonserven hinzuweisen – was vor Jahren beim Bayerischen Roten Kreuz zu einem dicken Skandal führte.

Aber nein, der Abenteuer-Spruch war fester Plakatbestandteil. Also frage ich Sie und mich: „Wie ist diese abenteuerrote Menschlichkeit bitte zu verstehen?“ Kann es sein, dass ich nach der Blutabgabe nicht mehr aufwache? Will man mich animieren, bedürftige Patienten mit meiner Hepatitis B zu überraschen, falls mein Blut diese weiterleiten kann? Oder geht meine Blutspende bayerische Wege – indem ihr Gegenwert im Täschchen eines DRK-Managers landet? Manche Werber haben halt schwachsinnige Aussagen im Blut. Reinhard Siemes

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