Medien : Abhör-Attacke auf Charles

Das britische Tabloid „News of the World“ hat wieder massiv Ärger: Royal Correspondent in Haft

Matthias Thibaut

Großbritanniens Boulevardzeitungen sind für ihre aggressiven Methoden bekannt. Nun scheint es die „News of the World“ wieder einmal auf die Spitze getrieben zu haben. Clive Goodman, der Hofkorrespondent der Sonntagszeitung aus dem Rupert-Murdoch-Stall, wurde zusammen mit zwei Komplizen verhaftet und von der Polizei verhört. Die Polizei durchsuchte Büros der Zeitung. Der Vorwurf: Systematisch seien SMS- und Voicemail-Botschaften Prominenter abgehört worden. Die Spur kam direkt aus dem Büro von Prinz Charles.

Laut Scotland Yard konzentrierten sich die Ermittlungen, die seit über acht Monaten laufen, auf „Sicherheitsverstöße in Telefonnetzen über einen längeren Zeitraum hinweg“. Im Dezember hatten drei Mitarbeiter von Prinz Charles die Scotland-Yard-Sondereinheit, die mit dem Personenschutz im königlichen Haushalt befasst ist, auf Unregelmäßigkeiten mit ihren Handys hingewiesen. Offenbar wurde in die „Voiceboxes“ der Telefone eingebrochen und SMS-Texte nachgelesen.

Polizeiquellen zufolge werden nun lange Listen mit Handy-Nummern überprüft. Ziel der Abhörattacken sollen außer Charles und seiner Familie auch andere Prominente und Politiker gewesen sein. Schon heißt es, Prominente und Politiker müssten im Umgang mit Mobiltelephonen umdenken.

Welche Rolle Reporter Goodman spielte und ob er auf Anweisung oder mit Wissen der Zeitung handelte, ist unklar. Seine Zeitung bestätigt lediglich, dass Goodman verhaftet wurde. Der Fernseh-News-Channel ITN behauptet, Auslöser für die Ermittlungen sei gewesen, dass ein Gespräch zwischen einem ITN -Journalisten und dem Büro von Prinz William als kleine Nachrichtengeschichte in der Sonntagszeitung landete. Werden der Zeitung oder dem Reporter strafrechtliche Vergehen nachgewiesen, dürfte die königliche Familie mit allen Rechtsmitteln zurückschlagen. Bei Mobiltelephonen reagiert man in den Palästen empfindlich. Die „Camilla-Tapes“ mit dem berühmten „Tampon“-Dialog zwischen Charles und Camilla sind ebenso noch in schlechter Erinnerung wie die „Squidgy-Tapes“: Ein pensionierter Bankbeamter hatte das intime Gespräch zwischen Prinzessin Diana und ihrem Lover James Gilbey mit einem Funkempfänger abgefangen und einer Zeitung verkauft.

Die „News of the World“ hat sich bei der Royal Family auch durch die „Fake Sheikh“-Affäre unbeliebt gemacht. Star- Reporter Mazher Mahmood hatte, als Scheich verkleidet, Sophie Wessex, der Frau von Prinz Edward, indiskrete Äußerungen entlockt.

Die Sonntagszeitung hat eine lange Gerichtskarriere hinter sich. Vergangene Woche wurde das Blatt zu einer Schmerzensgeldzahlung von 200 000 Pfund an den schottischen Politiker Tom Sheridan verurteilt, über dessen angebliches Sexualleben das Blatt Sensationsberichte geschrieben hatte. Zwei Prozesse, die sich aus Mahmood Scoops entwickelten – über eine angeblich vereitelte Entführung der Kinder von Fußball-Idol David Beckham und einen geplanten Verkauf von radioaktivem Material für eine „schmutzige Bombe“ – brachen zusammen, weil die Zeitung die Hauptzeugen bezahlt hatte. , London

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben