Abhörskandal : Stunde der Rache

Der Schauspieler Hugh Grant und andere Prominente sagen gegen britischen Gossen-Journalismus aus. Doch die britische Presse hat eigene Vorstellungen vom Schutz der Persönlichkeitsrechte.

von und London
Hugh Grant sagt aus.
Hugh Grant sagt aus.Foto: AFP

Hollywoodstar Hugh Grant, Harry-Potter-Erfinderin J. K. Rowling und weitere Opfer der britischen Skandalpresse haben diese Woche die Gelegenheit, den Spieß umzudrehen und deren Methoden an den Pranger zu stellen. Als einer der ersten Zeugen sagte am Montag Hugh Grant vor der Leveson Kommission zur Presseethik aus und berichtete von haarsträubenden Verletzungen seiner Privatsphäre.

Die von Richter Brian Leveson geleitete Kommission wurde nach der Affäre um die Lauschangriffe der Murdoch- Zeitung „News of The World“ eingesetzt. Grant berichtete nun, wie vor Jahren die Türe seines Appartements eingetreten wurde. Am nächsten Tag sei eine detaillierte Beschreibung seiner Wohnung in einer Zeitung erschienen. Die „Mail on Sunday“ beschuldigte er, vor Jahren schon seine Handy-Mailbox gehackt zu haben.

Im blauen Anzug sah der 51-Jährige wie ein Rechtsanwalt aus und hatte sich bestens auf den Auftritt vorbereitet. Wenn es um Klatschjournalismus geht, wird er vom Film-Charmeur zum Guerilla-Kämpfer. Im Frühjahr hatte er einen ehemaligen „News of the World“-Journalisten in ein Gespräch über die Praktiken der Zeitungen verwickelt und die Unterhaltung heimlich aufgezeichnet. Unter dem Titel „The Bugger, bugged“ (Lauschangreifer abgehört) veröffentlichte er im Politikmagazin „New Statesman“ Ausschnitte aus dem Gespräch. Vergangene Woche erwirkte der Schauspieler eine einstweilige Verfügung zum Schutz von Tinglan Hong, der Mutter von Grants Tochter. Seit der Geburt des Mädchens mache konstante Pressebelagerung ihr Leben „unerträglich“. Als Grant im Sommer in der BBC die Murdoch-Presse attackierte, wurde Hong in anonymen Anrufen aufgefordert, ihm zu raten, „die Fresse zu halten“. Grant sagte auch, ein Bericht der deutschen „Bild“, er habe eine deutsche Freundin, sei „erlogen“, um die Geschichten über die Geburt seiner Tochter interessanter zu machen.

Vor dem Schauspieler beschrieb Sally Dowler, die Mutter der 2002 ermordeten 13-jährigen Milly Dowler, wie sie nach Hackerangriffen von „News of the World“ glaubte, ihre Tochter lebe noch. „Sie hat ihre Mailbox abgehört, sie lebt“, habe sie gerufen. Abgehört und gelöscht hatte die Nachrichten aber der von der Murdoch-Zeitung angeheuerte Privatdetektiv Glenn Mulcaire. Zeitungsmagnat Rupert Murdoch bezahlte der Dowler-Familie zwei Millionen Pfund Schmerzensgeld. „Die Presse braucht anständige moralische Maßstäbe und soll sich daran halten“, forderte Sally Dowler.

Britische Zeitungen wehren sich seit Jahren gegen eine gesetzliche Verankerung des Persönlichkeitsschutzes wie etwa in Frankreich. Dort, argumentieren Chefredakteure, werde die Berichterstattung über Machtmissbrauch beeinträchtigt. Zeugen wie Grant betonten am Montag jedoch den Unterschied zwischen öffentlichem Interesse und dem, was die Öffentlichkeit interessiere und Zeitungen verkaufe. Matthias Thibaut, London

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