Medien : Alles rund um Eva

RTL überträgt erstmals Fußball-WM-Spiele live – und dazu noch Formel 1

Markus Ehrenberg

Der Internetnutzer „Ralf“ weiß, was er heute bestimmt nicht tun wird: Fußball bei RTL gucken. Nachdem sich der Kölner Privatsender am vergangenen Sonntag mit der Live-Übertragung der beiden Test-Länderspiele Niederlande gegen Australien und Brasilien gegen Neuseeland auf die WM eingestimmt hat, bloggte „Ralf“ ins Internet: „Im Übrigen fand ich die Show um die Spiele herum grausam, da bin ich froh, dass ich die nächsten 2 Sonntage im Stadion bin und mir nicht RTL antun muss.“

Ganz so schlimm wird es heute nicht werden, wenn erstmals ein deutscher Free-TV-Privatsender WM-Spiele live überträgt. Allerdings muss RTL neben drei Mal Fußball live auch noch die Formel 1, den Großen Preis von Großbritannien, im Programm unterbringen. Motto: „Kick and drive“. Das Rennen in Silverstone startet um 13 Uhr. „Wir hoffen, dass die gegen halb drei fertig sind“, sagt RTL-Sportchef Manfred Loppe. Ein Formel-1-Rennen dauere selten länger als zwei Stunden. Hoffen also auf wenig Regen in England und wenige zeitfressende Safety-Car-Phasen. Die WM wartet schließlich nicht. Um 15 Uhr spielen in Leipzig Serbien und Montenegro gegen Niederlande. Acht Spiele hat RTL der Fifa abgeluchst, darunter eine Brasilien-Begegnung und zwei Achtelfinalpaarungen (nur ein Spiel, wenn Deutschland sich als Gruppen-Zweiter qualifiziert); ausgestrahlt an drei so genannten „Super-Sonntagen“.

Eng werden könnte es für die Programmplaner am 25. Juni. Dann startet der Große Preis von Kanada gegen 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit, die erste Achtelfinalpartie dieses Sonntags schon um 17 Uhr. Sollte es dort in die Verlängerung gehen, dürfte RTL dem Nachrichtensender n-tv, gemeinsam verbunden via RTL-Senderfamilie, mit den ersten exklusiven Rennphasen traumhafte Einschaltquoten bescheren.

Zurück zur Fußball-Show. Gut, Pierre Littbarski als Co-Kommentator ist gewöhnungsbedürftig, aber mit Studio im Fernsehturm am Alexanderplatz, Live-Bühne auf der Fan-Meile Unter den Linden, 300 Mitarbeitern und zig Promi-Experten reicht RTL an die Standards der öffentlich-rechtlichen WM-Sender. Wer Netzer, Delling, Kerner, Hartmann, Beckenbauer gewohnt ist, wird auch bei Völler, Jauch, Calmund, Geissen und Koch Tim Mälzer auf seine Kosten kommen. Nur Sarah Kuttner, die für die ARD Außenreporterin spielt, ist sicher lustiger als Super-Model Eva Padberg, die für den Privatsender Lifestyle einfangen soll.

Natürlich will man bei RTL auch etwas Neues in Sachen Fußball-Berichterstattung bringen. Der Kölner Sender, der sich nicht ewig auf Skispringen (ohne deutsche Stars) und Formel 1 (bald ohne Schumacher) verlassen kann, hofft immer wieder mal auf das eine oder andere Fußball-Event. Erst kürzlich war spekuliert worden, dass Arena, der Inhaber der Bundesliga-Live-Rechte, RTL ein Sonntagsspiel überlässt – vergeblich. Die WM nun ist Schaulaufen, nicht nur sonntags. Für Spätheimkehrer läuft das „RTL Nachtjournal – WM Spezial“ werktäglich ab 0 Uhr und mit 15-minütigen Zusammenfassungen der Spiele des Tages. Ein „weltweit einzigartiges Analysesystem“ namens „BestView3D“ soll Spielszenen „in einer neuen Dimension“ darstellen. Jauch und Völler im Studio neben Ballack und Podolski in 3D – hoffentlich stürzt der Computer nicht ab.

Ein etwas anderer WM-Tag im Fernsehen also. Mehr Werbung/Quiz/Spiele, aber da sind ARD/ZDF ja auch ganz gut dabei. Und „Ralf“, der Internet-Blogger, hätte sich vielleicht doch keine teuren WM-Tickets besorgen und sich auf die RTL-Show einlassen sollen.

WM-Brunch, RTL, ab 11 Uhr; Formel 1 ab 12 Uhr 30 Uhr; WM Countdown ab 14 Uhr 30; WM live ab 15 Uhr

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