Amazon-Deal : Chinas Medien verstehen keine Ami-Ironie

Chinas Medien glauben, dass Jeff Bezos die "Washington Post" versehentlich bei Amazon gekauft hat. Verstehen sie dafür Krömer und Matussek?

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Kurt Krömer fast nackt.
Kurt Krömer fast nackt.Foto: WDR/Martin Menke

Die Mitarbeiter chinesischer Staatsmedien müssen bestimmt nicht ironiefähig sein. Wahrscheinlich ist diese Qualifikation sogar ein Hindernis auf der Karriereleiter. Scherz und Satire hatten und haben in den amtlichen Mitteilungen nichts zu suchen. Härter als das kommunistische China stellt sich nur das steinzeitkommunistische Partnerland Nordkorea, wo gelacht werden darf, wenn der geliebte Führer Kim Jong Un lacht.

Ironie will gelernt und verstanden sein. Selbst für Westler eine tückische Sache, denn im besten Fall verbirgt sich eine große, tiefe Wahrheit im Faltenwurf eines luftigen Sprachgewands. Der US-Komiker Andy Borowitz beispielsweise hat den Kauf der „Washington Post“ durch Amazon-Gründer Jeff Bezos besser als jeder Kommentator erfasst. Im „New Yorker“ gab er vor, Bezos habe nur auf der Webseite der Zeitung herumgeklickt und sie versehentlich in den Warenkorb gelegt. Der Fehler sei ihm erst aufgefallen, als die Kreditkartenfirma 250 Millionen US-Dollar (knapp 187 Millionen Euro) berechnet habe. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich nicht weiß, wie das in meinen Warenkorb gekommen ist“, lautete ein erfundenes Zitat aus dem Munde von Bezos.

Der Amazon-Chef hat die „Post“ versehentlich beim Online-Shopping gekauft – ein wirklich gelungener Schlenker. Einige chinesische Staatsmedien, die gar zu gerne in den US-Medien nach Geschichten suchen, die den großen Konkurrenten diskreditieren könnten, haben den Witz nicht als Witz erkannt. China Radio International (CRI) griff die Parodie als wahre Geschichte auf, die sich dann auf den Webseiten der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua, der „Volkszeitung“ und anderen Medien verbreitete.

Erst im November war das auf Eins-zu-eins-Journalismus getrimmte Parteiorgan auf die US-Satire-Webseite „The Onion“ hereingefallen, als diese die sexuelle Anziehungskraft von Nordkoreas Führer Kim Jong Un gelobt und ihn zum „Sexiest Man Alive“ gekürt hatte. Das beweist Linientreue.

Die Staatsagentur Xinhua korrigierte inzwischen einen weiteren Fehler, als sie Fotos von der angeblichen Hinrichtung einer jungen Frau in den USA von ihrer Webseite nahm, die eigentlich aus einem Pornovideo stammten. Ganz klar, es scheinen tiefe kulturelle Gräben darüber zu existieren, was Sex und was eine Hinrichtung ist. Chinas Propagandisten halten es offenbar für absolut überzeugend, wenn sie US-Medien heranziehen, um die Irrungen und Wirrungen der kapitalistisch korrumpierten Gesellschaft decouvrieren zu wollen. Wenn schon der „New Yorker“ selber... Freilich müssten sich Chinas Medienmacher mehr anstrengen oder aber begreifen, dass in westlichen Gesellschaften und Medien feine Schattierungen von Wahrheit und auf jeden Fall x-fache Möglichkeiten der Wahrheitsübermittlung existieren. Eine wortwörtliche Übersetzung funktioniert mal, mal funktioniert sie nicht. Pech für China.

Die Intelligenz der Staatsmedien

Die Internetnutzer im Reich der Mitte und Sitte sind da weiter: „Das ist die Qualität der Staatsmedien, die selbst glauben, sie müssten die öffentliche Meinung anleiten.“ Ein anderer meinte: „Sie halten ein Pornovideo mit der Exekution einer Verbrecherin für eine wahre Geschichte und nehmen einen Witz als echte Nachricht – die Intelligenz der Staatsmedien macht einem Sorgen“, berichtete die Deutsche Presse-Agentur.

Womit wir zwangsläufig in Deutschland, bei Matthias Matussek und Kurt Krömer angekommen sind. Krömer hat Matussek in seiner Show ein „hinterfotziges Arschloch“ und einen „Puffgänger“ genannt, Matussek replizierte mit „blöde Sau“. Das ist nicht sonderlich komisch, von Ironie zu sprechen, wäre Hochstapelei. Zwei Grobmotoriker unter sich.

Was, wenn ein staatlich geprüfter chinesischer Journalist die Auseinandersetzung von K. und M. gesehen hat? Wird er in die Heimat melden: Ganz feine Menschen, diese Deutschen? Brillante Camoufleure, machen dem Publikum ein L für ein R vor? German humor is best in the world. Xinhua ist gefordert.



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