Amis und Briten lachen über "Wetten, dass..?" : Die Demütigung der Sauerkrauts

Hanks, Williams & Co.: Erst geht der Weltstar zur ZDF-Show, dann geht er anderswo hin, um schwer abzulästern.

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Die Lanz-Nummer. Was da links im Sack weghüpft, das ist „Wetten, dass..?“-Moderator Markus Lanz. Tom Hanks trägt Katzenfellmütze.
Die Lanz-Nummer. Was da links im Sack weghüpft, das ist „Wetten, dass..?“-Moderator Markus Lanz. Tom Hanks trägt Katzenfellmütze.Foto: picture alliance / dpa

Wir Sauerkrauts sind ja einiges gewohnt. Zu gerne hämen Ausländer über uns. Angeblich haben wir die Unsitte in die Welt gebracht, im Morgengrauen alle Liegeplätze am Pool mit schwarzrotgoldenen Handtüchern zu besetzen. Oder wir reden zu laut im Lokal. Im Fußball gewinnen wir immer gegen die Engländer. An diese Klischees haben wir uns gewöhnt; zuweilen lachen wir darüber.

Jetzt lachen wir nicht mehr. Briten und Amerikaner fahren eine üble Kampagne gegen uns. Nicht gegen alle, aber gegen jene, die „Wetten, dass..?“ verantworten, einschalten und als große Unterhaltung empfinden. Der US-Schauspieler Tom Hanks hat angefangen, die Brit-Schmuser James Blunt und Robbie Williams haben nachgelegt, auch der US-Kinostar Harrison Ford wollte nicht schweigen. Sie alle lästern über das ZDF-Fernsehkulturgut. Gut, dem Oscar-Preisträger Hanks war mit Sackhüpfen und fragwürdiger Katzenfellmütze übel mitgespielt worden. Danach war Hanks saurer als jedes Kraut. Aber erst danach. In der Show ließ er sich die Katzenfellmütze ohne jeden Protest über die Ohren stülpen.

Blunt nennt seine Erfahrung "painful"

Blunt und Williams haben in einer Morningshow des britischen Radiosenders BBC2 schwer abgelästert. Blunt nannte seine Erfahrung in der Show „painful“, schmerzvoll. Der stark traumatisierte Williams beschrieb „Wetten, dass..?“ als Martyrium: „Man ist vertraglich verpflichtet, diese Show zu machen. Und dann sitzt man auf einem Sofa und es dauert fünf Stunden.“ In der angesprochenen Ausgabe sang der Entertainer gerade ein Lied, schwärmte von seiner Tochter, um dann mit seinem Privatjet außer Landes zu flüchten. „Das gibt mir jedes Mal einen Kick“, sagte Williams der BBC, „wenn ich das Sofa verlasse, auf dem Paul McCartney oder Tom Hanks hocken, die mir nachschauen und sich fragen: ,Warum können wir das nicht machen?“

Lanz-Guck-In-Die-Luft. Harrison Ford (r.) sucht Deckung.
Lanz-Guck-In-Die-Luft. Harrison Ford (r.) sucht Deckung.Foto: dpa

Moderator Chris Evans war fassungslos. Was macht diese Show im Second German TV so einmalig, dass Weltstars sich nicht trauen, aufzustehen und zu gehen? Seine geschädigten Gäste wussten keine Antwort. Spürbar wurde, wie sich im BBC-Studio Furcht und Schrecken über die Feierbiester ausbreitete. Und Dankbarkeit darüber, dass ein Kanal und ein Atlantik zwischen „Wetten, dass..?“ und Angeloamerika liegen.

Geduldig erträgt Ford den Eierwurf

Nun ist Williams ein Krakeler, Harrison Ford ist es nicht. Aber auch der zurückhaltende US-Schauspieler war nach seinem Auftritt bei „Wetten, dass..?“ am 7. Oktober irritiert. Er nannte die Show „albern“. Harrison ist Profi, und er hatte professionelle Gründe für seine Teilnahme: „Der Grund, warum ich hier bin, ist ein neuer Film, auf den ich aufmerksam machen möchte. Und manchmal nehme ich in Kauf, dafür Dinge zu tun, die ich normalerweise in meinem Leben nicht tun würde.“ Geduldig hatte er eine Eierwurf-Wette und die Ranschmeiße von Moderator Markus Lanz über sich ergehen lassen. Auch hier: Erst mitmachen, dann meckern.

Wie müssen wir Sauerkrauts reagieren? Nie wieder CDs von Blunt und Williams kaufen, nie wieder die Arenen vollmachen? Ford einen netten Amerikaner sein lassen und zugleich seinen nächsten Film boykottieren? Wenn sie unser Geld nehmen, müssen sie „Wetten, dass..?“ ertragen! Nichts davon ist souverän. So wenig wie die Ausrede, dass Lanz kein Kraut, sondern Südtiroler ist. Für Briten und Amis macht das keinen Unterschied.

Jetzt hat sich Miley Cyrus angekündigt

„Wetten, dass..?“ geht weiter, das ZDF spürt keinen Schmerz. Mit den Wetten, mit Markus Lanz, mit den internationalen Stars auf dem Sofa. Für die nächste Sendung am 9. November sind Céline Dion (Kanada), Miley Cyrus (USA) und Sting (Großbritannien) angekündigt.

Natürlich öffnet sich da jede Schweißpore. Miley Cyrus ist die geringste Gefahr, der Ex-Teenie-Star ist dankbar für jeden Schwachsinn, der ihn von seiner Vergangenheit abtrennt. Aber die Dion und der Sting? Das sind ernsthafte Künstler, XXL-Stars. Was macht der Lanz mit denen? Kann die nächste „Wetten, dass..?“Ausgabe in Halle nicht einfach ausfallen? Das wäre natürlich feige, da würden Blunt, Williams, Hanks und die BBC so richtig aufdrehen. Das Kraut-Bashing ginge in Serie, da braucht es keine Wette.

Deutschland und Weltstars? Heidi Klum? Boris Becker?

Trotzdem, auch wir haben unseren Stolz. Wir sollten dringend überlegen, ob wir nicht unsere Superkrauts in jede sich bietende Showlücke in GBUSA schicken. Wenn die zurückkommen, können sie ja in „Wetten, dass..?“ berichten, womit Briten und Amis ihre Fernsehabende versüßen. Wird ein Heidenspaß. Zu jeder brillanten Idee gehört eine ebensolche Durchführung. Da hakt es. Deutschland und Weltstars? Heidi Klum? Boris Becker? Ähmmm. So wird das nix – und es macht auch nix. Werden wir halt Fußball-Weltmeister. Das ist Rache genug.

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