Anne Will : Das Kanzleramt hat sich eingeschaltet

Die Diskussion um Anne Will und ihre Talkshow hält weiter an. Nun hat ein weiterer Politiker Kritik geäußert: Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Die Sendung wird nun ein Nachspiel im Rundfunkrat haben.

Anne Will
Aus für Anne Will? Der Rundfunkrat wird entscheiden. -

HamburgWie der Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger hat auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) die ARD-Talkshow "Anne Will" gerügt. "Ich würde mir im Interesse der Zuschauer wirklich wünschen, dass in einer so bekannten und renommierten Sendung die Fakten als Informationsgrundlage der Talkshow stimmen", sagte Neumann der "Bild"-Zeitung.

In der Sendung vom 1. Juni war behauptet worden, dass Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) 2001 von der großen Koalition 60 Milliarden Euro Schulden geerbt habe. Tatsächlich betrug der Schuldenstand damals etwa 38 Milliarden Euro und ist seitdem auf rund 60 Milliarden gestiegen. Volker Müller, Vize-Vorsitzender des Rundfunkrats des für Will zuständigen Norddeutschen Rundfunks (NDR), kündigte in "Bild" an, sein Gremium werde sich auf der nächsten Sitzung mit dem Thema "Anne Will" befassen.

Im Fokus der Medien

Will hatte sich schon kurz nach ihrem Start heftigen Attacken von außen zur Wehr setzen müssen. Der ARD-Programmbeirat monierte in einer Expertise, dass Will "starr und wenig flexibel" sei und sich im Vergleich zu Christiansen wenig verändert habe. Immer wieder wurden in der Öffentlichkeit einzelne Sendungen herausgepickt. So schrieb "stern.de": "Will scheitert mit Bahn-Schlichtung", als der Bahn-Personalvorstand und der Gewerkschaftsführer vor dem Hintergrund des Lokomotivführerstreits nur alt bekannte Argumente austauschten.

Die Kritiker nahmen sich in dieser Woche nach den jüngsten Attacken verstärkt der Sendung an. "Die Sendung polarisiert", schrieb Frank Schirrmacher, Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Als sie noch nicht polarisierte, kritisierte man sie dafür, dass sie nicht polarisierte." Die Schwächen lägen im Genre selbst, das gerade wegen seiner Schwäche der Politik so nutze. Der Medienexperte Lothar Mikos wiederholte in der "Frankfurter Rundschau" noch einmal: Wenn man Will etwas vorwerfen könne, dann sei es das Versäumnis, am Vorgängerformat von Sabine Christiansen kaum etwas geändert zu haben. Ewig gleiche Gäste unterhielten sich eben über ewig gleiche Themen. (sgo/dpa)

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