Medien : Ansturm auf das Internet

News-Seiten werden besonders während der Bürozeiten angeklickt

Kurt Sagatz

Die Bilder, die eine Webcam von n-tv seit Donnerstagabend live aus Bagdad sendet, wirken nicht sonderlich bedrohlich. Fest montiert auf dem Dach des irakischen Informationszentrums zeigt die Internet-Kamera einen Parkplatz, im Hintergrund sind mehrere Gebäude und eine Antennenanlage zu sehen. Das einzige, was sich bewegt, ist die Verbindungsanzeige unter dem Webcam-Bild. Erst später schwenkt die Kamera auf eine etwas belebtere Straße.

So direkt die Webcam den Blick auf Bagdad gewährt, die gigantische Nachfrage nach aktuellen Informationen spiegelt sie nicht wider. Seit Beginn des Krieges verzeichnen vor allem jene Webseiten einen Abrufrekord nach dem anderen, die sich auf die Verbreitung aktueller News spezialisiert haben. Dreimal so viele Nutzer wie sonst meldeten die Online-Seiten der Tagesschau, bei „Spiegel Online“ wurden mit zehn Millionen Seitenabrufen allein am Donnerstag doppelt so viele Anfragen registriert wie sonst. Die Nutzerzahlen der 15 größten amerikanischen Info-Seiten legten im Durchschnitt um über 40 Prozent zu. Bereits lange vor dem Ausbruch des Krieges wurden die Kapazitäten bei den Nachrichtenseiten so aufgestockt, dass auch größere Nachfrageschübe problemlos bewältigt werden können. Ausfälle und Überlastungen, wie sie am 11. September 2001 auftraten, gab es diesmal nicht.

Erheblich mehr Abfragen erlebten die Internet-Seiten des Tagesspiegels mit dem Arbeitsbeginn in vielen Büros. Überall dort, wo Fernseher und Radio nicht eingeschaltet werden können, aber ein Internet-Anschluss zur Verfügung steht, informiert man sich über die Online-Medien, vermutet Redaktionsleiter Andreas Kaiser. Ab neun Uhr wurden doppelt so viele Abfragen wie sonst gezählt, zeitweise stieg die Zahl sogar um das Dreifache.

Während die großen News-Seiten rund um die Uhr informieren, haben über 100 deutsche Journalisten ihre Webseiten aus Protest gegen die Irak-Krieg geschwärzt. Zu ihnen gehört auch der Herausgeber der Buchreihe „Journalistische Praxis“, Walther La Roche, sowie der Fernsehjournalist Franz Alt. Aufgerufen dazu hatten einige Journalistenplattformen. „Wir sind uns bewusst, dass es nicht unsere Aufgabe ist, das Tagesgeschehen zu kommentieren“, sagt Projektleiter Thomas Hofbauer: „Dennoch wollten wir einen Akt der Solidarität mit den unschuldigen Opfern setzen.“

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