Medien : ARD-Film: Thesen statt Antworten: "Warum vergewaltigen Männer?"

Mechthld Zschau

Hans, der Serienvergewaltiger, sagt: "Ich habe die Frauen benutzt wie Automaten." Sätze wie Molotowcocktails. Warum vergewaltigen Männer Frauen? Immer schon und überall - gut 14 000 aktenkundige Fälle pro Jahr in Deutschland, die Dunkelziffer ist hoch. Die Wissenschaft ist beredt ratlos. Und die Filmemacher auch. Wie soll man sich bloß einem derart heiklen und brutalen Thema nähern? Mit dramatischer Filmmusik, schnellen Schnitten von hier nach da und zurück - nur nicht sich einlassen, es könnte weh tun. Mit Bildern von Tatorten und Bordellen und Gefängnismauern, hart an der Grenze des Zumutbaren, Voyeuristischen oder Lächerlichen. Andrea Zimmermann und Matthias Michael haben für ihren Film "Warum vergewaltigen Männer?" (ARD, 21 Uhr 40) sorgfältig recherchiert. Mit Opfern gesprochen und Tätern, die sich als Opfer fühlen. Und mit Wissenschaftlern.

Drei Thesen übers unerträgliche Faktum vertreten die klugen Herren aus Biologie, Soziologie und Neurologie. Die erste hält ein Gen für verantwortlich - Rückkehr zum steinzeitlichen Verhalten, der Mann streut seinen Samen, so breit er kann, und wenns sein muss auch mit Gewalt. Die zweite These macht die Erziehung verantwortlich, frühkindliche Erfahrungen von Missbrauch und Ungeborgensein. Bei den Affen hat es das Alpha-Männchen nicht nötig, zum Zwang zu greifen, wohl aber der Loser der Gruppe, der Feigling, der Schwächling. Die dritte These spricht von Deformationen des Hirns - als Ursache oder Folge gewalttätigen Verhaltens? Die Hirnforscher durchleuchten die Köpfe, machen Versuchsanordnungen und wissen auch nicht weiter. Und die Opfer? Wer sich vor der Kamera äußert - nur zwei haben die Filmemacher (gar zu knapp) zu Wort kommen lassen - hat eine Strategie gefunden, offensiv mit der Verletzung umzugehen, appelliert an die Verantwortung erwachsener Männer, an Empathie und Einsicht in die Schuld. Und dann fällt noch so ein Bombensatz: "Jeder Dritte würde vergewaltigen, wenn er nicht Strafe fürchten müsste". Und das ist im Krieg der Fall. Eigentlich erstaunlich, dass in unserer vor Aggressionen strotzenden Welt so wenig geschieht. Die Schicht der Zivilisation scheint doch haltbarer zu sein, als man meint.

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