ARD-Moderation : Der Viertel-Pilawa

In der ARD sind noch Primetime-Plätze frei – vor allem für Moderator Eckart von Hirschhausen. Am Donnerstag startet „Das fantastische Quiz des Menschen“.

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Freiwillige Selbstbeschränkung. Eckart von Hirschhausen, Jahrgang 1967, Arzt, Komiker, Autor, TV-Moderator. Er sagt: „Ich habe nicht den Ehrgeiz, ständig präsent sein.“ Foto: WDR
Freiwillige Selbstbeschränkung. Eckart von Hirschhausen, Jahrgang 1967, Arzt, Komiker, Autor, TV-Moderator. Er sagt: „Ich habe...Foto: NDR/Frank Eidel

Hirschhornsalz wird zur Lockerung von Flachgebäck benutzt. Von Hirschhausen funktioniert auf medialer Ebene ähnlich. In etwa so lesen sich öfter mal Hinweise auf Sendungen und Shows mit dem neuen, angeblichen Hoffnungsträger der ARD: mit Eckart von Hirschhausen. Man könnte meinen, da hätten sich ein paar Kritiker mal wieder auf jemanden eingeschossen, und dann wundert man sich, wenn einem der Moderator im ARD-Hauptstadtstudio gegenübersitzt. Locker, entspannt, aufgeschlossen. Gut, der Mann und sein Auftraggeber haben hier was zu verkaufen: „Das fantastische Quiz des Menschen“, eine neue Primetime-Show, die am Donnerstagabend Premiere hat. Eine von fünf großen Shows, die Hirschhausen in diesem Jahr fürs Erste macht, auf Plätzen, die neun Jahre lang Jörg Pilawa besetzt hielt. Das ist schon mal ein Pfund.

Pilawa quizt ab Oktober fürs ZDF. Hirschhausen könnte Pilawas’ Nachfolger sein, oder besser, einer seiner Nachfolger, auch wenn er das nicht so gerne hört. „Ein Viertel-Pilawa“, sagt er. Das sei ihm lieber. Jörg Pilawa, da ist es gar nicht so einfach, an ein bestimmtes Image zu denken. Vielleicht das eines unkomplizierten Saubermanns. Eckart von Hirschhausen, da ist es in dieser Hinsicht schon ein bisschen schwieriger. In der „Süddeutschen Zeitung“ gab es Anfang des Jahres eine polemisch-kritisch gehaltene Geschichte auf der Seite Drei, wo es hauptsächlich um eine Art verhinderte Kontaktaufnahme ging. Statt eines aufgrund von „spektakulären Bedingungen“ abgesagten „SZ“-Interviews brachte die Zeitung ein Stück , das zu hinterfragen versuchte, warum Hirschhausen „sein Bild derart manisch kontrollieren“ wolle.

Besser gar kein Image als so eines? Der Moderator zieht das Aufnahmegerät auf dem Tisch näher an sich heran. „Ich habe in den letzten beiden Jahren sicher über 100 Interviews gegeben. Probleme gab es genau bei einem. Das hat nie stattgefunden. Aber darüber wird geredet. Das Missverständnis bestand zwischen meinem Management und dem Autor.“ Durch ein direktes Gespräch mit dem Autor an dem Tag, als der „SZ“-Artikel erschien, habe Hirschhausen die Sache aus der Welt räumen können. Leider habe die Münchner Zeitung dazu im Blatt nichts mehr geschrieben.

Man muss die Art von Sachbüchern à la „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ oder „Glück kommt selten allein“, die Hirschhausen zum erfolgreichsten Sachbuchautor der letzten zwei Jahre gemacht haben, und die Art von Unterhaltung, Wortwitz und Situationskomik, die Hirschhausen im Fernsehen betreibt, nicht unbedingt mögen. Wenn er „Deutschlands größten Gedächtnistest“, den Talk „Tietjen und Hirschhausen“, „Das fantastische Quiz …“ oder „Frag’ doch mal die Maus“ nicht macht, macht’s wohl irgendwann ein anderer. Trotzdem: Diese Image-Geschichte mit dem verunglückten Interview sagt auch vieles aus über das oft schwierige Verhältnis zwischen Medien und Prominenten, und, wenn es nach Hirschhausen geht, über die Art von Fernsehen, die wir Zuschauer letzten Endes zu sehen bekommen.

Wenn man seinen Namen in die Google-Suchmaske eingibt, ist die erste vorgeschlagene Ergänzung: „Eckart von Hirschhausen privat“. Im Kern sei es bei der Sache mit der „SZ“ um die Frage gegangen: Wie viel von seinem Privatleben ist Thema für die Öffentlichkeit. „Da unterscheide ich mich nicht von anderen Prominenten wie Stefan Raab oder Günther Jauch“, sagt Hirschhausen. Er sei grundsätzlich kein misstrauischer Mensch, auch nicht den Medien gegenüber, im Herzen selber Journalist, der erste Zeitungsartikel Mitte der 90er Jahre schrieb. „Aber wenn es keine vernünftige Abgrenzung zum Privatleben mehr gibt, wird die Qualität von Leuten, die sich ins öffentliche Terrain, ins Fernsehen oder die Politik begeben, sinken. Wir kriegen immer mehr Selbstdarsteller, Narzisten, Egomanen, von denen wir schon genug haben. Daher gibt es ein öffentliches Interesse, nicht alles zu veröffentlichen.“

Interessante Ansicht. Egomanie ist Hirschhausen auf den ersten Blick zumindest nicht vorzuwerfen. Mit der Übernahme von Talk- und Quizformaten in schneller Reihenfolge gilt Hirschhausen, dessen Karriere neben Auftritten als Stand-up-Comedian Mitte der 90er Jahre mit einer Ratgebersendung beim HR begann und sich mit Einsätzen bei „Schmidt und Pocher“ fortsetzte, mittlerweile als „Feuerwehrmann der ARD“. Hirschhausen lacht. „Dann wohl eher Notarzt.“ Weder sei die ARD so krank, noch müsse man in Ersatzkategorien denken. Auch das Wort „Allzweckwaffe“ sei unzutreffend. „Ich habe nicht den Ehrgeiz, ständig präsent zu sein.“ Mehr als fünf Auftritte zur Hauptabendzeit werde er für die ARD pro Jahr nicht bestreiten.

Muss er auch nicht. Mit dem „Fantastischen Quiz …“, einer zweiteiligen Wissens- und Spielshow mit Gästen wie Guildo Horn oder Wigald Boning, hat er erreicht, dass eine Sendung komplett auf seine Fähigkeiten zugeschnitten ist. Klar, Kritiker werden – wie bei Pilawa – weiter schimpfen: Ausverkauf der öffentlich-rechtlichen Unterhaltung! Hirschhausen glaubt an seine Vision: „Medizinische Information unterhaltsam zu verpacken und damit mehr Leute zu erreichen als mit klassischen Gesundheitsratgebern oder auch Büchern.“ Im Herbst tourt Hirschhausen mit einem Bühnenprogramm, dazu 3,5 Millionen verkaufte Bücher. Er sagt: „Verstehen Sie mich richtig: Ich habe sehr gut gelebt auch ohne Fernsehen.“ Sein Vorzug als Fernsehmoderator sei es wohl, dass er darauf nicht angewiesen ist. „Diese Unabhängigkeit im Kopf ist wohl letzten Endes das Geheimnis großer Moderatoren wie Rudi Carrell, Jürgen von der Lippe oder Harald Schmidt. Die standen immer auch mit einem Bein in einer anderen Welt, der Bühne oder dem Theater.“

Carrell, von der Lippe, Schmidt, keine schlechte Moderatorengalerie. Schwer zu sagen, wo sich da der 43 Jahre alte, promovierte Kabarettist genau sieht und einreiht. Bei der Autorisierung der Zitate bleibt diese Passage jedenfalls drin. Von wegen Kontrollfreak. Eher ein Typ, den man auch gerne mal zum Kindergeburtstag engagieren würde. Hirschhausen hat als Zauberer angefangen. Zum Abschied wird noch sein neuestes Buch in die Hand gedrückt, das mit dem Glücksversprechen.

„Das fantastische Quiz des

Menschen“, ARD, 20 Uhr 15

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