ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod" : Anders Sterben

Berlin beheimatet viele Nationalitäten. Wie sich das auf Trauerfeiern auswirkt, zeigt eine TV-Reportage.

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Dia de los Muertos – Tag der Toten, heißt ein mexikanischer Feiertag, an dem traditionell der Verstorbenen gedacht wird – auch in Berlin. Foto: RBB
Dia de los Muertos – Tag der Toten, heißt ein mexikanischer Feiertag, an dem traditionell der Verstorbenen gedacht wird – auch in...Foto: rbb/Marcus Lenz

Der Altar wird direkt an der Straße aufgebaut. Lange weiße Tücher hängen an hohen Stangen, ein gelb gewandeter Mönch streut Speisen ins Wasser, ein Radfahrer fährt achtlos auf der anderen Uferseite vorbei. Die Zeremonie ist Teil eines buddhistischen Rituals, mit der die Geister zu einer Totenfeier angelockt werden sollen, nicht weit weg in Asien, sondern mitten in Berlin. Menschen aus 184 Nationen leben in der deutschen Hauptstadt – und wenn sie sterben, werden sie nach den Riten ihrer alten Heimat betrauert. „Reisen ins Jenseits – Einmal um die ganze Welt“, heißt ein Film, der am Montagabend im Ersten ausgestrahlt wird.

Die vom Rundfunk Berlin-Brandenburg produzierte Reportage von Barbara Etz, Marcus Lenz und Andreas Voigt gehört zur ARD-Themenwoche „Leben mit dem Tod“. Die Autoren haben Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen dabei begleitet, wie sie mit Tod und Sterben umgehen. In Spandau verfügt die buddhistische Gemeinde über eine Pagode. Für die Reportage hat das Filmteam Laienbuddhisten begleitet, die ihren vietnamesischen Landsleuten beim Übergang ins Reich der Toten zur Seite steht. Die Vietnamesen im Ostteil Berlins müssen ohne Pagode auskommen, ihre Totenfeiern finden in einer Markthalle statt. Farbenfrohe Statuen werden hier von nicht minder farbenfroh gekleideten Frauen zum Schrein getragen. Mit dem symbolischen Verbrennen von Geld, Gold und Silber soll dafür gesorgt werden, dass es den Ahnen im Jenseits an nichts fehlt. Aber auch Fernseher und die neuesten Handy-Modelle werden detailgetreu aus Papier gefertigt und an den hohen Festtagen wie dem „Fest der Hungrigen Geister“ verbrannt.

Ein Ghanaerin trauert um ihre vor einem halben Jahr gestorbene Mutter. Mit einer großen Feier in Berlin soll ihrer gedacht werden. 400 bis 500 Gäste werden erwartet, es muss viel bedacht werden bei den Vorbereitungen. Schlichte Särge wie in Deutschland werden in Ghana nicht bevorzugt, erfährt der Zuschauer zudem. Die Särge ähneln überdimensionalen Sportschuhen, Kirchen und Flugzeugen, je nach Beruf, Vorlieben oder Träumen der Toten.

In Kreuzberg sind die Feiern zum mexikanischen „Dia de los Muertos“ zu einer festen Tradition geworden. Ein junger Mann erzählt, dass er das Bild seines gestorbenen mexikanischen Opas auf den Altar gestellt hat, zusammen mit dem südamerikanischen Helden Che Guevara. In der Nähe hat ein junge Frau das Hochzeitsbild ihrer Eltern aufgebaut, zu Lebzeiten habe es ihr Vater nicht geschafft, sie in Berlin zu besuchen. Doch die Trauer ist nur eine Seite. Mit dem skurril anmutenden Tanz der Skelette soll dem Tod der Schrecken genommen werden. Kurt Sagatz

„Reisen ins Jenseits“, ARD, 23 Uhr 30, und Dienstag, 21 Uhr, RBB-Fernsehen

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