Medien : Aufgearbeitet

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„Der Brand“ von Jörg Friedrich war ein Bestseller, und er war ein Bestseller auch durch ein Missverständis. Nicht wenige der älteren Leser meinten, hier würde ihre Leidensrolle im Zweiten Weltkrieg als Opferrolle dargestellt und anerkannt – eben weit weg von jenem Tätervolk, das den Zweiten Weltkrieg begonnen, den Holocaust mitgetragen und die totale Niederlage erfahren hatte. „Der Brand“ bohrte sich tief in die Emotionen, er machte aus dem Bombenkrieg aus der Luft ein Inferno am Boden, er holte aus den Kellern und den Seelen heraus, was dort lange verschüttet und vergraben war.

„Der Bombenkrieg“, das Begleitbuch von RolfDieter Müller zur gleichnamigen aktuellen ARD-Dokumentation, sucht seinen Weg dazwischen, wenngleich nicht in der Mitte. Der Autor, Historiker am Militärgeschichtlichen Forschungsamt, will „die Erinnerung an den Bombenkrieg mit den Ergebnissen der historischen Forschung vernetzen“. Müller geht zurück, er erkennt notwendigerweise die Parallelen zwischen der Eroberung der dritten Dimension und der „Barbarisierung der Luft“ (Bertha v. Suttner), die im ersten Atombombenabwurf über Hiroshima ihren brutalsten Ausdruck findet. Müller gelingt eine fundierte, stellenweise fesselnde Gesamtdarstellung der verheerenden Bombenkämpfe während des Zweiten Weltkriegs, er stellt die Analyse vor die grausige individuelle Erinnerung. Merkwürdig ist das Buch nur an den Stellen, wo der Militär mit dem Historiker durchgeht, wo über die Fehler der deutschen Kriegsführung geklagt wird wie, nur zum Beispiel, auf Seite 44: „Mit diesem Aufwand hätte Hitler seinen Rivalen Churchill 1942 eigentlich mit einer eigenen Bomberflotte in die Schranken weisen können.“ jbh

Rolf-Dieter Müller: Der Bombenkrieg 1939 – 1945. Ch. Links Verlag, Berlin. 271 Seiten, 24,90 Euro

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