Augenringe: Olympia im Fernsehen : Deutschland braucht zwei Nationalhymnen

Der Olympia-Countdown im ZDF mit Katrin Müller-Hohenstein geriet etwas spröde. Wenn da nicht ein in das deutsche Fußball-Team vernarrtes Fernseh-Weltbild gewesen wäre.

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Moderierte am Donnerstag den Olympia-Countdown im ZDF: Katrin Müller-Hohenstein.
Moderierte am Donnerstag den Olympia-Countdown im ZDF: Katrin Müller-Hohenstein.Foto: dpa

Nanu, ist denn jetzt noch Fußball-EM? Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, braungebrannt im Studio, gleich ein Länderspiel mit Deutschland. Nix da, Olympische Sommerspiele in Rio.

Noch ehe es richtig begonnen hat, mit der Eröffnungsfeier in der Nacht zum Sonnabend, durften am Donnerstag Abend im ZDF Katrin Müller-Hohenstein und Béla Réthy ran, um deutschen Olympia-Fußball gegen Mexiko live an den Zuschauer zu bringen. Die Mediensportart Nummer Eins, nicht der schlechteste Türöffner für ein globales Sport-Event, bei dem sich die Vorab-Begeisterung nach allem, was man hört, in Maßen hält.

Die große Mehrheit der Deutschen will für Olympia in Rio nach einer Umfrage nicht die Nächte vorm Fernseher verbringen. Offenbar auch nicht die Abende. Während das ZDF zu fortgeschrittener Donnerstags-Stunde mit dem ersten Auftritt der deutschen olympischen Männer-Fußballmannschaft gegen Mexiko recht gute Quoten verzeichnete, brachte es Katrin Müller-Hohenstein mit dem Olympia-Countdown auf gerade mal 2,09 Millionen Zuschauer zur besten Sendezeit.

Was wohl mit am Interview-Gast lag. Tischtennis-Star und Fahnenträger Timo Boll verströmt das Temperament eines knuffeligen Eisbären. Auch die Dokumentation „Der brasilianische Patient“ über die vielen sozialen Missstände im Olympia-Land erreichte eine kaum höhere Reichweite.

Es sollen nicht nur deutsche Medaillen gezählt werden, bei ARD und ZDF. Emotionsgarantie ja, aber wir sind auch kritisch. Die Doping-Reporter Hajo Seppelt und Elmar Theveßen warten auf ihre ersten Einsätze in Rio. Bis es so weit ist, verbreiten Katrin Müller-Hohenstein und die Regie des Weltbilds gute Laune. Als vor der Partie gegen Mexiko die Nationalhymnen abgespielt worden, hielt der Kameramann bei der mexikanischen Hymne aufs deutsche Team. Und bei der deutschen Hymne danach gleich noch mal, unverdrossen. So kann es weiter gehen.

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