Augenringe : Vergesst Olympia! Schaut Fußball!

Fans des Biathlon regen sich mächtig auf, wenn das ZDF für 15 Minuten zum Eisschnelllauf schaltet. Wären alle Sportfans Fußballfans, dann herrschten Frieden und Eintracht.

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Mit dem FC Bayern jubeln ist das Schönste, oder?
Mit dem FC Bayern jubeln ist das Schönste, oder?Foto: imago

Sport versöhnt? Sport spaltet. Weil Sportarten und ihre jeweiligen Fans eine unauflösbare Einheit bilden. Am Mittwoch erlaubte sich das ZDF, die Biathlon-Übertragung für 15 Minuten zu unterbrechen. In dieser Zeit wurde die Entscheidung im 5000-Meter-Rennen der Eisschnellläuferinnen mit Claudia Pechstein gezeigt. Eine eigentlich verständliche Maßnahme, Pechstein galt als Medaillenhoffnung.

Den Biathlon-Anhängern war das völlig schnurz. Sie wollten Biathlon und nur Biathlon sehen. Mit Worten wie „Sauerei“, „Unverschämtheit“, „Frechheit“ machten sie ihrem Ärger im Wintersport-Forum Luft. Wenn Fans statt Rennen und Schießen im Kreis Fahren serviert bekommen, ist Schluss mit Fairness.

Vielleicht kann dieser Vorschlag die erbosten Biathleten calmieren: Werdet doch einfach Fußballfans! Dann gehört Ihr zur größten Gruppe der Sportabhängigen. Und Ihr bekommt immer, was Ihr wollt. Das Champions-League-Achtelfinale Arsenal gegen die Bayern verfolgten in der Primetime des TV-Mittwochs 9,40 Millionen Zuschauer live im ZDF. Eine überragende Quote, natürlich Bestmarke des Abends, selbst die Groupies von Biathletik und Eisschnelllauf zusammenaddiert kommen auch nicht annährend in die Nähe dieser Zahl.

Und weil der Fußball alles verdrängt, wird es der übertragende Sender niemals wagen, auch nur eine Zehntelsekunde dieses Sports nicht live zu zeigen. Fußballfans sind rabiat, die argumentieren nicht.

Rodeln, Bobfahren, Langlauf, Biathlon, Snowboard, Ski alpin, Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Curling, Eishockey, Short Tracker, Skeleton, irgendwas vergessen? Egal, die Fans dieser Sportarten sollten endlich kapieren, was im Fernsehen und im echten Leben wirklich wichtig ist: Fußball. Und schon herrscht Frieden vor dem Bildschirm. Joachim Huber

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