Medien : Aus der Bahn

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Liebe Bahn fahrende Tagesspiegel–Leser, alles wird besser: „Seit 1835 machen wir die Preise fürs Bahnfahren. Ab dem15. Dezember sind Sie dran.“ Wie das zu verstehen ist? Als Text einer Teaser–Anzeige, also einer Vorankündigung, für das neue Tarif-System, das die Finanzexperten der Deutschen Bahn in Monate währender Denkarbeit ausgebrütet haben. Ogilvy & Mather, die zuständige Werbeagentur, gibt dazu diesen Hinweis: Das Inserat „soll die Mitbestimmung bei den neuen Preisen betonen“, die dem Bahnkunden jetzt zuteil wird. „Seit Jahren kritisieren Sie unsere Preise. Warum machen Sie Ihre Preise nicht selbst?“ fragt eine weitere Anzeige. Geht ab dem 3. Advent angeblich ganz leicht. Es gibt einen Mitfahrer-Rabatt, Plan & Spar-Preise, Bahncard mit 25 Prozent Rabatt auf alle Rabatte, Familienvorteile und die Möglichkeit, die Rabatte zu kombinieren.

Keine Sorge, die fünf „Komponenten“ des Preissystems werden in einer Folgekampagne Stück für Stück erklärt. Dazu lasse ich Sie mal in die Pressemitteilung der Werbeagentur reinlesen: „Auf dieser konzeptionellen Grundlage basiert neben dem klassischen Ansatz der kompetitiven Artikulation auch das flankierende Faustregeln-Konzept, welches am POS, in Bahnhöfen und Reisebüros zum Einsatz kommen wird.“ Gut, das müssen Sie nicht verstehen. Aber ist es nicht verdächtig, wenn Ihnen jemand auf diese Weise erklärt, wie wunderbar einfach alles wird? Und vor allem so supergünstig! Zumindest für Familie Knesebeck, den kleinen dicken Klaus und Oma und Opa. Bahnkunden, die auf den ICE-Strecken das gute Geld bringen, können in den seltensten Fällen sieben Tage im voraus buchen und so 40 Prozent sparen. War mit Bahncard bisher auch nicht nötig. Aber just der Bahncard-Rabatt wurde von 50 Prozent auf 25 Prozent beschnitten. Das wird in den Anzeigen allerdings nur am Rande erwähnt. Die blöden Abteilsitzer merken es schon früh genug. Reinhard Siemes

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