Ausgelagert : In der Wolke

Speichern, Spielen, Sparen: Warum Cloud Computing auch für private Computernutzer interessant ist.

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Private Internetnutzer geben bereits 1,6 Milliarden Euro für Internetdienstleistungen in der sogenannten Cloud aus. Dazu gehören nicht nur Online-Speicher, sondern auch Browser-Spiele, aber auch das kostenpflichtige Online-Dating wird dazu gerechnet. Foto: pa/dpa
Private Internetnutzer geben bereits 1,6 Milliarden Euro für Internetdienstleistungen in der sogenannten Cloud aus. Dazu gehören...Foto: picture alliance / dpa

Verschicken Sie E-Mails direkt über die Webseite des Providers? Teilen Sie Ihre Fotos mit Freunden und Bekannten in einem sozialen Netzwerk? Wird Ihr Terminkalender über das Internet synchronisiert? Vertreiben Sie sich die Zeit ab und an mit einem netten Browser-Game? Oder schreiben Sie Ihre Texte gar mit Google Docs statt mit Microsoft Word oder OpenOffice? Dann sind Sie bereits in der großen Wolke angekommen, die dieses Jahr zum Trendthema der Technologiemesse Cebit in Hannover auserkoren wurde: Cloud Computing umfasst jene Leistungen, die im Internet angeboten werden. Allerdings kennt nur jeder achte Internetnutzer den Begriff. „Viele Menschen nutzen Cloud Computing, doch kaum einer weiß es“, sagte August-Wilhelm Scheer, Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom anlässlich der Cebit.

Die meisten Internetdienste sind zwar zumindest in den Basisversionen kostenlos, insgesamt geben die Privatnutzer jedoch bereits heute die staatliche Summe von 1,6 Milliarden Euro jährlich für Dienste in der Wolke aus, hat der IT-Branchenverband Bitkom zur Cebit ermittelt. Jeder fünfte Internetnutzer in Deutschland nimmt demnach bereits kostenpflichtige Cloud-Dienste in Anspruch. Für dieses Jahr erwartet die Branche, dass die Deutschen allein für Unterhaltung aus dem Internet (Social Networks, Browser-Spiele, Internetfernsehen, aber auch Online-Dating) fast eine Milliarde Euro ausgeben werden. Hinzu kommen die Ausgaben für Kommunikation und die Steigerung der Produktivität, die weitere 700 Millionen Euro ausmachen. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft gibt für Leistungen in der Wolke 1,9 Milliarden Euro aus.

Das Speichern von Daten in der Wolke oder das Führen des Terminkalenders online gehört nach wie vor zu den am stärksten genutzten Diensten, die jeder dritte Internetsurfer schon einmal Anspruch genommen hat. Tendenz steigend, denn auf die Daten kann nicht nur mit einem Computer zugegriffen werden, sondern genauso von einem Smartphone oder von einem Tablet-Computer aus, hebt Damian Schmidt, Vorstandschef des Berliner Internetdienstleisters Strato einen Vorteil des Cloud Computing hervor. Strato stellt in Hannover gerade seinen Online-Speicherservice HiDrive vor. Ab rund fünf Euro können darüber 100 Gigabyte an Daten online gespeichert werden. Der Standort der Server befindet sich dabei in Deutschland, so dass für die Daten das deutsche Datenschutzrecht gilt. Aus Nutzersicht kann der Onlinespeicher im eigenen Computer (unter Windows, Linux oder mit einem Apple-Rechner) als zusätzliches Laufwerk angelegt werden. Auf Wunsch können die Daten auf dem Server in einem komplett verschlüsselten Container abgelegt werden, so dass sie nur für den Besitzer zu entschlüsseln sind.

Gerade angesichts der steigenden Beliebtheit von Tablet PCs wie dem iPad mit ihren beschränkten Speichermöglichkeiten bieten sich Online-Speicher wie HiDrive eben auch für Privatkunden verstärkt an. Strato bietet dafür eine spezielle App für iPhone und iPad sowie Android-Smartphones und Tablets an, um Daten, Bilder oder Videos auch unterwegs mit solchen Endgeräten abrufen zu können. Filme und Songs können als Stream auch ohne Wartezeit wiedergegeben werden. Ähnlich einfach funktioniert das Speichern der Daten auf dem Onlineserver. Es ist unter anderem möglich, sich über eine spezielle E-Mail-Adresse zum Bespiel wichtige Dokumente zum Onlinespeicher zuschicken zu lassen, wobei die Adresse auch anderen mitgeteilt werden kann.

Ein Problem vieler Umsonst-Dienste ist, dass die meisten Anbieter bislang aus den USA kommen. Für sie gelten nur die dortigen Datenschutzregeln – und die sind deutlich lascher als hierzulande. Anders als kostenpflichtige Dienste wie eben von Strato werden die Daten dabei häufig auch nicht automatisch gesichert, was gerade für Back-ups verheerend ist. Aber auch ohne Datenverlust ist man vor Überraschungen nicht gefeit. „Wer Fotos oder Videos bei Diensten wie Flickr oder Youtube speichert, gibt damit unter Umständen auch Nutzungsrechte wie beispielsweise den Weiterverkauf ab“, sagt Damian Schmidt von Strato.

Gerade kostenlose Dienste stehlen sich aus der Verantwortung: „Wenn Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen kostenloser Dienste wie Google Mail aufmerksam lesen, entdecken Sie, dass der Anbieter keine Verantwortung für Ihre Daten übernimmt“, sagt Natalya Kaspersky, Chefin des Sicherheitsspezialisten Kaspersky Lab der Agentur AFP. Der Rat der Expertin ist klar: „Wenn Sie Ihre Daten wirklich sicher haben wollen, müssen Sie dafür zahlen.“

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