Medien : Berlin-Marathon: Mitläufer

Heinz Florian Oertel

Yoi? Yoi, yoi, yoi jubeln Japaner, wenn ihnen etwas gut gefällt. Wem hier Gut als Note zu niedrig scheint, kann getrost yoi zum ein- und ausdrucksvolleren subarashii (ausgezeichnet) steigern. Ja, was oft nervt und quält, vom Marathon-Übertragungsteam des Sender Freies Berlin wurde es besiegt: dass zu häufig die Fernsehreportagen-Qualität nicht der des dargebotenen Sports entspricht.

Technikprobleme auf dem Bild- und Tonweg, der zwei Stunden und 30 Minuten lang war, gab es diesmal kaum. Yoi und Danke allen Verantwortlichen. Deren Leistung, prima Bilder und einwandfreier Ton, schaffen die Voraussetzung für alle Sprechenden. Und die wiesen prima Verfassung aus. Zu allererst das Haupttrio. Das waren Jochen Sprentzel, Thomas Wessinghage, beide an Start und Ziel, dazu Gerd Rubenbauer, hier wieder mobil, per Motorrad auf den klassischen 42,195 Kilometern unterwegs. Dreimal: ausgezeichnete Arbeit.

Zum Thema Online Spezial: 28. Berlin-Marathon Gerd Rubenbauers Leichtathletik-Kenntnisse zählen seit Jahr und Tag zum Deutschland-Besten. Er hat von seinen Reporter-Fähigkeiten nichts eingebüßt. Thomas Wessinghages Mitwirken erweist sich immer wieder als Volltreffer. Der Arzt, der immer noch Deutschlands bester 1500-Meter-Läufer mit jenen 3 Stunden 31 Minuten und 58 Sekunden vor 21 (!) Jahren ist, demonstriert auch bei der diesjährigen Live-Übertragung des Berlin-Marathons, was immer noch die Ausnahme ist. Nämlich, dass einstens gute Spitzensportler auch gute Co-Kommentatoren sein können. Aus Fehlgriffen bei Experten er wuchs eine Hauptsünde des deutschen Sportfernsehens. Insofern Sonder-Yoi für Thomas Wessinghage!

Jochen Sprentzel gehört zu den langjährigen und zigmal bewährten ARD-Sportchefs. Hier bewies er wieder seine Trümpfe, auch den klugen Trumpf, auf solche Könner zu setzen. Wozu ich speziell Marathon-Asse wie Katrin Dörre-Heinig, Uta Pippig und Stephan Freigang rechne, die ebenfalls bei der Fernsehübertragung zu Wort kamen. Andere dauerhaft Zuverlässige, hier nenne ich besonders Andreas Witte als Allrounder, vervollständigten das Subarashi-Team im ersten Programm.

Unterm Strich bleibt Lobenswertes, das jetzt noch eindringlicher gepriesen sein soll, weil immer mehr Fastfood und Wegwerfware auch das Sportfernsehen in Deutschland beherrschen. Uns bleibt die überragende Leistung der weltbesten Marathonläuferin Takahasi vom diesjährigen Lauf im Gedächtnis und die bemerkenswerte des gastgebenden Fernsehens. Sie kam souverän, unaufgeregt, angemessen und eben nicht marktschreierisch aufdringlich über die Ätherwellen.

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