Medien : Bis ans eisige Ende der Welt – ARD-Reporter Scherer reist um den Polarkreis

Simone Schellhammer

Ein Jahr, nachdem der mehrfach preisgekrönte ARD-Reporter Klaus Scherer seinen bilderstarken Reisebericht „Auf der Datumsgrenze durch die Südsee“ vorlegte, wählte er nun für seinen Zweiteiler „Auf dem Polarkreis unterwegs“ eine Route durch die Kälte. Vierzig Tage reiste er mit seinem Team durch Kanada, Alaska und Grönland, um Menschen aufzusuchen, die um den halben Globus verstreut leben und dennoch am gleichen Ort – dem Polarkreis eben.

Mit Inuit-Eskimos feiert er dort das Walfangfest, überfliegt mit einer Postpilotin Gebirge, deren Gipfeln nie jemand einen Namen gab, und zieht mit einer Nomadenfamilie durch die arktische Tundra. Die Bilder seines Kameramanns Andreas Färber sind wie immer faszinierend: das endlose Eismeer, die tiefstehende Polarsonne und der Blick von einem verschneiten Pass ins Tal.

Dennoch wird immer wieder deutlich, dass die Zeit der Idylle hier längst vorbei ist. Die Alltagswelt der Inuit verändert sich wie im Zeitraffer. Noch immer gibt es als Festessen angefaulte Walspeckstreifen, doch zur Jagd nehmen manche Familien auf ihrem Schneemobil eine tragbare Waschmaschine mit, und selbst eine alte Nomadin möchte nicht auf die Basketballspiele im Fernsehen verzichten. Arbeitslosigkeit, Armut und Alkoholismus bedrohen die Familien, die alten, haltgebenden Strukturen lösen sich auf. Darum lernen die Kinder in der Schule unter anderem wieder, wie man Felle bearbeitet. Doch auch das ändert nichts daran, dass diese Kultur am Nordpol ebenso langsam verschwindet wie Gletscher und Packeis.

Am stärksten sind die beiden Filme immer dann, wenn Scherer sich Zeit nimmt und sich auf die Geschichte eines Menschen einlässt. So beginnt der erste Teil mit einer sehr bewegenden Begegnung mit einem Inuit, der als letzter in einer verfallenen Siedlung wohnt und in der Einsamkeit Alaskas versucht, seine Kriegserlebnisse in Vietnam zu verarbeiten. Allzu oft heißt es ansonsten „Dann müssen wir weiter“, ohne dass so recht klar würde, warum eigentlich. Vielleicht liegt es in der Natur dieser Fernsehbilderbogen, wie sie regelmäßig zu Festtagen gezeigt werden, dass Vieles in wunderschöner Weise angerissen und doch nichts vertieft wird. Denn so strapaziös diese Reise für das Team war, so leicht soll sie doch für die Zuschauer sein. Es bleibt wie so oft der diffuse Eindruck, dass hier wieder einmal die moderne Zivilisation eine Weltgegend bedroht und dass man als Zuschauer dagegen wenig ausrichten kann.

„Auf dem Polarkreis unterwegs“, ARD; Karfreitag, 14. April und Ostermontag, 17. April, jeweils 19 Uhr 15

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