Böhmermann auf Periscope : 103 Euro für jeden gesendeten Witz

"Jetzt kommt Mainstream-Böhmi": Per Periscope fordert Jan Böhmermann Fans und Follower auf, ihm Witze für die nächste Sendung des "Neo Magazin Royale" zu schicken.

Kevin P. Hoffmann
Jan Böhmermann im Januar bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Foto: dpa
Jan Böhmermann im Januar bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises.Foto: dpa

Jan Böhmermann will in der ersten Sendung von „Neo Magazin Royale“ seit Beginn der Erdogan-Affäre keine eigenen Witze erzählen. Die sollen ihm seine Fans und Follower schicken, bat der TV-Satiriker über den Videodienst Periscope. Dem rund fünfzehn-minütigem Stream folgten in der Nacht zu Freitag durchschnittlich etwa 1200 User. Die 20 besten Witze wolle er im TV vortragen, sagte Böhmermann. Deren Urheber sollten jeweils ein Honorar in Höhe von 103 Euro erhalten. Gesucht würden aber nur „politisch korrekte Witze, auf keinen Fall gegen Minderheiten“. Das dürfe man heute nicht mehr, erklärte er.

Für jeden gesendeten Witz, der von einem Politiker komme, wolle er aus seinem Privatvermögen zusätzlich 500 Euro spenden, versprach Böhmermann. An welche Organisation, sagte er nicht. Die nächste Ausgabe von „Neo Magazin Royale“ soll am Donnerstag, den 12. Mai, um 22.15 Uhr auf ZDF Neo ausgestrahlt werden.

Böhmermann äußerte sich live bei Tageslicht - möglicherweise bei einem Aufenthalt in New York. Der sei seit einem Jahr geplant gewesen. Er würde jeden Tag 14 Stunden schlafen und sehe wohl deshalb so müde aus. Auch habe er kräftig zu genommen, nachdem er in der ersten Woche „fast gar nichts“ gegessen habe. Kommenden Dienstag wolle er zurück nach Deutschland fliegen. „Ich werde nichts vorbereiten, keinen Witz schreiben“. Allerdings sind Böhmermanns Aussagen mit Vorsicht zu genießen. Einige Tage hatte er angeblich aus der ecuadorianischen Botschaft in London eine Mini-Konferenz des "Neo Magazin Royale" abgehalten.

Der 35-Jährige hatte in der am 31. März ausgestrahlten Sendung ein sogenanntes „Schmähgedicht“ über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan verlesen und damit eine Staatsaffäre ausgelöst. Nun wird gemäß Paragraf 103 des Strafgesetzbuches wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes gegen ihn ermittelt.

Gegen Böhmermann liegen 900 Anzeigen vor

Insgesamt 900 Anzeigen lägen gegen ihn vor. „Da ist was los in Deutschland“. Angst vor der Rückkehr habe er nicht und auch nirgends Asyl beantragt, antwortete er auf die Frage eines Users. Auch nicht in Ecuador. Die Londoner Botschaft des lateinamerikanischen Landes gewährt WikiLeaks-Gründer Julian Assange seit vier Jahren Schutz. „Ich habe Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat, in den gerechten und kühlen deutschen Rechtsstaat“.

Böhmermann sagte mehrfach, er wolle jetzt „alles mitnehmen“. Er werde Werbung machen für CocaCola oder McDonald’s machen zum Beispiel. „Jetzt kommt Mainstream-Böhmi, Schluss mit Nischen-Böhmi.“ Sein Ziel sei das Hauptprogramm. Spätestens in einem Jahr habe er den Sendeplatz von Markus Lanz übernommen.

Anmerkung: In einer früheren Version stand die Formulierung, Böhmermann werde nach § 103 StGB angeklagt. Das ist nicht richtig. Vielmehr wird auf dieser Grundlage zunächst gegen ihn ermittelt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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