Medien : Boxen lernen

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Es war Zufall, dass Maybrit Illner ihr Buch „Frauen an der Macht“ ausgerechnet an jenem historischen Tag vorstellte, an dem sich abzeichnete, dass Deutschland erstmals eine Kanzlerin bekommt. Am Montagabend saß Maybrit Illner bei Dussmann, flankiert von Katrin Göring Eckardt und Annette Schavan. Es gibt kaum bessere Kronzeuginnen dafür, was die Macht so alles mit Frauen macht. Um Schavan als baden-württembergische Ministerpräsidentin zu verhindern, wurde das Gerücht lanciert, sie sei lesbisch. Jetzt wird sie als Ministerin im Kabinett Merkel gehandelt. So schnell kann sich das Schicksal wenden. Göring-Eckardt verlor dagegen gerade den Posten der grünen Fraktionsvorsitzenden. Man müsse sich vor wichtigen Abstimmungen eine Strategie überlegen, sagte sie, damit man nicht zu weinen anfange. Denn darin sind sich Göring-Eckardt und Schavan einig; genauso Renate Künast und die Verlegerin Angelika Jahr, die ebenfalls in Illners Buch ihre kleine Philosophie weiblicher Macht aufgeschrieben haben: Frau sollte nie öffentlich weinen. Dieser Ratschlag zählt zu den ehrlichsten Momenten des Buches, das sonst vor allem eine Sammlung von Erfolgsgeschichten ist. Demütigendes wird höchstens als „heilsame Erfahrung“ beschrieben. Wer an die Macht will, darf offenbar nicht zu ehrlich sein. nol

M. Illner (Hg.): Frauen an der Macht, Heinrich Hugendubel Verlag, 19,95 €

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