Medien : Bundesliga zu verkaufen

Der Kaufpreis muss sinken: Sat 1 pokert um die Fernsehrechte

Joachim Huber

Das Jahr ist noch so jung, und die Aufregung ist schon so groß: Welcher Fernsehsender überträgt von der kommenden Saison an die Fußball-Bundesliga? Eine Fernsehstation kann vor allen anderen zuschlagen: der Berliner Sender Sat 1, der mit „ran“ seit Jahren für die Bundesliga-Zusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen sorgt, besitzt eine Option für 2003/2004. Diese besagt, dass Sat 1 an den Rechteinhaber, die Infront AG um Günter Netzer, 80 Millionen Euro für die Erstverwertung bezahlen müsste. Sat 1 zögert – und hat von Infront die eigentlich bereits abgelaufene Bedenkzeit bis Ende des ersten Quartals 2003 verlängert bekommen.

Sat 1 will den Bundesliga-Fußball zeigen, freilich für deutlich weniger als die verlangten 80 Millionen Euro. Der rein werbefinanzierte Sender muss in dem nach wie vor schwachen Konjunkturumfeld darauf achten, dass er sich mit dem Bundesliga-Deal nicht verhebt. Das „ran“-Engagement ist defizitär, also müssen, wenn schon die Werbeerlöse nicht steigen, die Ausgaben für die Fernsehrechte sinken.

Sat 1 pokert. Das Spiel läuft, so lange der Sender gegenüber der Infront AG als einziger Nachfrager auftritt. Das würde den Preis drücken. Andere Fernsehanstalten wie RTL oder die ARD halten sich raus oder verkünden offiziell, dass sie kein Interesse an der Bundesliga haben. Die Sender haben sich zu einem Kartell verschworen, das den Fernseh-Fußball und seine Rechtekosten gleichmäßig auf die Programme verteilen will: Länderspiele und Pokal bei ARD und ZDF, Bundesliga bei Sat 1, Champions League bei RTL.

Wie sicher sich die Anstalten in dieser Position fühlen, zeigt die Fristverlängerung bei Sat 1 und belegt die Tatsache, dass RTL für die nächste Champions-League-Saison noch kein Angebot abgegeben hat. Abwarten, bis die Preise sinken.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) als Interessensvertretung der 36 Profiklubs in Deutschland gibt sich ebenfalls gelassen. Tatsächlich garantiert der Vertrag mit dem Zwischenhändler Infront für die aktuelle und die nächste Bundesliga-Saison jeweils 290 Millionen Euro. Infront kann diese Summe bei den Fernsehsendern schon jetzt nicht refinanzieren. Diese Lücke würde noch wachsen, sofern Sat 1 für weniger als 80 Millionen Euro abschließt. Und die Netzer-Truppe ist nicht faul, sie sucht die Konkurrenz für das zögerliche Sat 1. Aber bei der ARD verneint ein Intendant nach dem anderen Interesse an der Liga. Auch die ausgestreute Überlegung, Sat 1 solle sich die Bundesliga-Zusammenfassung mit der ARD teilen, findet kein Echo.

Bei allen Rochaden, Ränken und Rechenspielen – die Fußball-Bundesliga wird auf unabsehbare Zeit im Fernsehen stattfinden. Das Programm ist wertvoll, schmückt jeden Sender. „Es ist nicht vorstellbar, dass wir samstags keine Zusammenfassung der Liga- Spiele sehen können.“ Das sagt Gerhard Mayer-Vorfelder, Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

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