Causa ZDF : Platzeck stimmt für Brender

In der CDU hat ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender derzeit offenbar nur wenig Freunde. Besser sieht es in der SPD aus, zum Beispiel bei Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck. Auch er hat im ZDF-Verwaltungsrat mitzubestimmen.

Thorsten Metzner

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) will sich zur Causa Koch/Brender vor der entscheidenden ZDF-Verwaltungsratssitzung am 27. März zwar nicht selbst öffentlich äußern. Er ist dort Mitglied, eines der wenigen mit SPD-Parteibuch. Doch seine Position ist klar, ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender kann sich der Unterstützung des Potsdamer Regierungschefs sicher sein. „Es gibt keinen Grund, dass man ihm die Zusage nicht gibt, den Vertrag in einem Jahr zu verlängern“, bestätigt Clemens Appel, Platzecks Chef der Staatskanzlei und für Rundfunkpolitik zuständig. Dies sei ein „klares Plädoyer für eine Vertragsverlängerung“.

Appel macht keinen Hehl daraus, dass man in Potsdam die Einflussversuche aus den Reihen der Union auf die Personalpolitik der öffentlich-rechtlichen Anstalt – ob in Sachen Brender oder Wunschbesetzungen von NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers für das Landesstudio in Düsseldorf –für illegitim und unanständig hält. „Öffentlich-rechtliche Anstalten gehören den Zuschauern und nicht den Parteien“, sagt Appel. Die Zuschauer „werden in den Gremien repräsentiert, in denen die Parteien auch vertreten sind“, aber „eben nicht nur“. Platzecks Medienmann weiß aus einem anderen Grund, wovon er spricht, was für ein hohes Gut journalistische Unabhängigkeit ist. Appel hat nämlich einen ganz persönlichen Bezug zum ZDF. Sein Vater Reinhard Appel war von 1976 bis 1988 selbst Chefredakteur des ZDF. Er saß auf Brenders Schleudersitz.

Zwar habe es auch damals, es war die Zeit der sozialliberalen Koalition, schon mal Einflussversuche aus Parteien auf den Sender, auf die Besetzung von Posten gegeben, erinnert sich Appel. „Da gab es ähnliche Diskussionen.“ Aber, so warnt Platzecks Rundfunkkoordinator, „das war nicht erfolgreich. Die Politik ließ sich damals eines Besseren belehren.“ Was jetzt aber geschehe, die Massivität der Einflussversuche bis in Landesstudios hinein, die „Schärfe, die mögliche Kettenreaktion“, das sei „eine neue Qualität“.Thorsten Metzner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben