Medien : Ciao Ally!

Kerstin Kohlenberg findet, dass es

mit der Serie „Ally McBeal“ jetzt auch reicht

Was mich zum Schluss am meisten genervt hat? Jon Bon Jovi. Dieser samtweiche Immerversteher, der mit umweltfreundlichen 50 km/h durch die Serie tuckerte und garantiert jede Möglichkeit zur Autobahnauffahrt ausschlug, um mit Ally stattdessen gemütlich bis zum nächsten Naherholungsheim zu wandern. Das soll das Ende sein?

Heute Abend läuft Ally McBeal zum letzten Mal. Bin ich traurig?

Als das dünne Mädchen zum ersten Mal über den Bildschirm wackelte, da gefiel mir an ihr die Tragik, mit der sie durch ihr Bostoner Leben stapfte. Ihr unbeugsames Selbstmitleid. Ally geht es nicht gut, weil sie Liebeskummer hat, weil sie neidisch ist, weil sie sich nicht entscheiden kann. Und natürlich geht es dabei immer nur um sie selbst. Das Einzige, worum sie sich nie Sorgen machen muss, ist ihr Anwalts-Job. Liefe die Serie noch weiter, müsste man das wohl als erstes neu überdenken.

Sie ging einem oft auf die Nerven, diese Ally, mit ihrer Nervosität und dem Fettnäpfchen, das sie hinter sich herzog wie der Peanut Linus seine Decke. Ertragen hat man das – vielleicht –, weil es nie jemand süß fand. Weil es in den besten Fällen etwas von der Ironie hatte, über die man seit dem Ende der 90er nicht mehr lachen soll. Weil unpolitisch, egoistisch, over. Die 90er waren das Jahrzehnt, in dem man sich alles leisten konnte, auch eine zeitaufwändige Selbstbespiegelung. Ally McBeal, das war wie eine Gruppentherapie, in der dem Zuschauer jedes Mal versichert wird, keine Panik, die anderen haben es auch.

Aber mit der Zeit blieben einfach einige Mitglieder aus der Gruppe weg. Sie gingen in andere Kanzleien, oder nach Mexiko. Und irgendwie wurde es damit ungemütlich. Man fing an, selbst die eine oder andere Sitzung zu schwänzen, und wenn man mal wieder reinschaute, waren da plötzlich Leute, die besser ins Ohnsorg-Theater gepasst hätten. Lustige Transvestiten mit rollenden Augen und verstellter Stimme. Ally wurde ein Kind zugesprochen, sie kaufte ein Haus, wurde Chefin der Kanzlei, und dann tauchte der Friedensengel Jon Bon Jovi auf. Es war eine schöne Zeit, aber jetzt ist gut. Ciao Ally!

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