Medien : Comedy der Kulturen

Erfolgsrezept Döner: Der „König von Kreuzberg“ soll vor allem Deutsche auf den Geschmack bringen

Jenni Roth

Sat 1 will den Spieß umdrehen. Nach Ethno-Trash à la „Erkan und Stefan“ soll eine Comedy-Serie die Karten im „Kampf der Kulturen“ neu mischen – und das deutsche Privatfernsehen mit etwas „ganz Besonderem“ bereichern. „Es ist die erste Sitcom im deutschen Fernsehen, in deren Mittelpunkt in Deutschland geborene junge Türken stehen“, sagt Kristina Faßler von Sat 1. Als solcher bewegt sich Serienheld Attila auf einem schmalen Grat der Selbstsuche: deutsch, türkisch oder von beidem ein bisschen?

Während Debatten um Ehrenmorde und Parallelgesellschaften hier zu Lande die Gemüter erhitzen, soll die Serie die Menschen auf andere Art und Weise zum Nachdenken bringen: „Wir wollen unterhalten und haben keine aufklärerische oder politische Absicht“, meint Attila, der im wahren Leben Fahri Ogün Yardim heißt. Höchstens eine ganz kleine: Die Kreuzberger Truppe will mit Klischees von „dem Türken“ aufräumen. Dieser müsse nicht immer der große Bruder mit gegelter Haartolle sein oder der Gemüsehändler, der in gebrochenem Deutsch seinen Weißkohl anpreist. Zwar entdecke man auch in der „Döneria Istanbul“ das eine oder andere Goldkettchen oder ein Rolex-Imitat. Aber Attilas deutsche Freundin Nina oder Mitarbeiter Ron sollen zeigen, dass Unterschiede zwischen den Kulturen hinten anstehen, wenn es um Zwischenmenschlichkeit geht – und die „funktioniert bei Deutschen, Türken und Deutsch-Türken ganz gleich“.

Fahri weiß, wovon er spricht. Als Sohn türkischer Einwanderer in den 60er Jahren hat er seine Kindheit in einem anti-autoritären Kindergarten verbracht, spricht besser Deutsch als Türkisch, und Hamburg betrachtet er als Heimat. Berlin kann da nicht ganz mithalten: „Ich habe mich zwar sofort in Kreuzberg verknallt, aber ich liebe Hamburg.“ Fahri teilt mit Attila den familiären und kulturellen Hintergrund. Und auch persönlich schwimmen sie auf derselben Welle. „Wir überschätzen uns beide hin und wieder, nehmen uns zu viel vor und sind oft etwas kindisch. Aber ich bin kopflastiger als Attila, von seiner Lockerheit könnte ich mir eine Scheibe abschneiden“.

Dabei macht Fahri nicht den Eindruck, als bräuchte er eine Lektion in Sachen Lockerheit. Schon sein Afro-Look spricht für ein heiteres Gemüt. Und das kommt auch in der Serie zum Einsatz. Quasi nebenbei soll das angespannte Verhältnis zwischen den Kulturen entkrampft werden. Und Fahri weiß auch wie: „Humor kann das“. Zwar wird in der Döneria dafür oft dick aufgetragen. Zum Beispiel, wenn Attila und Hakan plötzlich das schwule Pärchen mimen, damit Hakan seine türkische Affäre nicht ehelichen muss. Wenn man sich aber daran erinnert, dass Sat 1 keine tiefenpsychologischen Ambitionen verfolgt, sondern einfach unterhaltsam sein will, kann man darüber ebenso lachen wie über Attilas Schwäche für Fettnäpfchen („die sind nicht typisch türkisch, sondern typisch menschlich“) und dessen Macho-Gehabe.

Ob auch die Türken in Deutschland Attila und seine Kollegen lustig finden – deren Witze übrigens aus deutschen Federn stammen –, darüber kann man nur spekulieren. Denn die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die sich um Zuschauerquoten kümmert, erfasst nur TV-Vorlieben in EU-Haushalten. Und da bleiben die Türken außen vor.

Um ja keinen Diskriminierungsverdacht aufkommen zu lassen, sind nach dem Auftritt der Türken demnächst die Griechen an der Reihe: Vom 21. April an zeigen die deutschen Kinos Fatih Akins Komödie „Kebab Connection“, in dem auch Fahri zu sehen ist – diesmal als Grieche. Ob sich die Deutschen schnell an dem Multikulti–Menü satt sehen oder Hunger auf mehr haben, wird sich herausstellen. Fahri jedenfalls fährt sicherheitshalber zweigleisig. Neben Engagements an Theaterbühnen, unter anderem am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater, spielt der 24-Jährige in der Serie „Der Dicke“ an der Seite von Dieter Pfaff. Da ist es nicht abwegig, dass der „König von Kreuzberg“ bald die Zeiten vermissen wird, in denen er unerkannt durch den Kiez laufen konnte.

Und falls ihm die Schauspielerei über den Kopf wachsen sollte, kann Fahri immer noch auf Plan B zurückgreifen und eine Döneria aufmachen. Geübt hat er das Fleischschneiden bei den Dreharbeiten ja zur Genüge.

„König von Kreuzberg“: Sat 1, immer freitags um 21 Uhr 45

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