Crossmedial : Im Apple-Kiosk

Virtuelle Holzregale: Der iPad-Erfinder geht mit seinem „Newsstand“ auf die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage zu.

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Den Lesestoff soll es für iPhone-Handys und iPad-Tablets geben. Foto: Apple
Den Lesestoff soll es für iPhone-Handys und iPad-Tablets geben. Foto: Apple

Zeitungen und Zeitschriften sind heutzutage crossmediale Marken, diesen Trend haben Tablet-PCs wie das iPad spürbar beschleunigt. Daheim wird entspannt in der gedruckten Ausgabe geblättert. Doch unterwegs oder im Urlaub werden mobile Endgeräte immer wichtiger, genauso wie Kombi-Angebote für die gedruckte Ausgabe und die mobile App-Nutzung. Dass Apple seine im Februar bekanntgegebenen Pläne, nach denen solche Bündelangebote von Zeitungsabo und App-Zugriff von Juli an nicht mehr möglich gewesen wären, nun zu den Akten gelegt hat, wurde von den Verlagen als „substanzielle Verbesserung für das App-Geschäft gewertet.

„Das Ziel war es, die angekündigten Verschlechterungen für die Zeitungs- und Zeitschriften-Apps zu verhindern oder zumindest zu mildern. Das ist weitgehend gelungen. Die Idealvorstellung der kompletten Hoheit vor allem über die Kundenbeziehungen bleibt aber davon unberührt“, sagte VDZ-Sprecher Peter Klotzki dem Tagesspiegel.

Dabei hatte Apple die Pläne bereits zuvor entschärft. Nach den geänderten Plänen hätten die Verlage ihre Apps neben dem iTunes-Store zusätzlich in eigener Regie verkaufen können – allerdings nur zum gleichen Preis. Vom Verkaufserlös im iTunes-Store erhält Apple eine Umsatzbeteiligung in Höhe von 30 Prozent. Die Provision an sich wird von vielen Verlagen dabei gar nicht in Frage gestellt, zumal der für gedruckte Medien nötige Pressegrosso ebenfalls bezahlt werden muss. Problematischer war ein anderer Aspekt: Selbst wenn die Verlage die Apps günstiger anbieten könnten, hätten sie die Einsparungen nicht an ihre Leser weitergeben dürfen.

70 bis 80 Prozent der Kritikpunkte hat Apple nach Ansicht von Branchenkennern mit der Abkehr von den Verschärfungen aus dem Weg geräumt. Zu den weiter offenen Fragen gehören die Versuche von Apple, Einfluss auf die Inhalte zu nehmen. Um den „Playboy“ unzensiert als App anbieten zu können, musste auf einen Trick zurückgegriffen werden. Die „Bunnys“ werden nun über eine Web-App an Apple vorbei im Abonnement angeboten. Noch problematischer als die Unsicherheit über redaktionelle Eingriffsversuche ist jedoch für die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, dass Apple über den iTunes-Store die Kundenbeziehungen für die App-Abonnenten kontrolliert.

Die in dieser Woche angekündigte Einführung eines Apple-Zeitungskiosks wird von den Zeitschriftenverlegern dagegen ausdrücklich begrüßt. „Man darf den Newsstand nicht unterbewerten. In der Vielfalt der inzwischen weit über 400 000 Apps im iTunes-Store erhalten die publizistischen Angebote der Zeitungen und Zeitschriften damit eine hervorgehobene Plattform“, sagte VDZ-Mann Klotzki.

Im „Newsstand“ mit seinen virtuellen Holzregalen werden künftig Zeitungen und Zeitschriften zum Abonnement angeboten. Neue Ausgaben werden dann automatisch auf ein iPhone oder ein iPad heruntergeladen. „Das ist so ähnlich, wie wenn Ihnen die Zeitung an die Tür geliefert wird“, erklärte Apple.

Apple reagiert damit auf die Suche vieler Verlage nach Alternativen zum iTunes-Store. So betreibt Apple-Konkurrent Google das Medien-Bezahlsystem OnePass. Die Provision beträgt lediglich zehn Prozent des Umsatzes. Aber auch technisch gibt es Alternativen zur geschlossenen Apple-Lösung. Die britische Tageszeitung „Financial Times“ kann seit kurzem über eine Webanwendung im neuen Internet-Standard HTM5 direkt im Browser des iPads oder anderer Tablet-Computer gelesen werden. Vorschriften über Bundle-Angebote muss sich die „Financial Times“ damit nicht machen lassen. Kurt Sagatz

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