DAB+ Radio : Digital und unbeliebt

Analoges Radio hat ausgedient: DAB+ soll bis 2025 neuer Standard sein. Doch die wenigsten Deutschen nutzen das digitale Rundfunkangebot.

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Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios, ist ein großer Befürworter von DAB+
Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios, ist ein großer Befürworter von DAB+Foto: dpa

Technisch gesehen ist das Digitalradio DAB+ längst Realität. Doch in der Praxis spielt das digitale Radio noch eine untergeordnete Rolle. Obwohl bereits über 90 Prozent der deutschen Bevölkerung DAB+ empfangen können, gibt es nur in 7,5 Prozent aller Haushalte einen Empfänger für das Digitalradio der zweiten Generation. Soweit der Digitalisierungsbericht für das erste Halbjahr 2014.

Dabei ist der Ausbau des Netzes besser als von den Betreibern prognostiziert. Die Fachzeitschrift „connect“ hat zwischen Oktober 2013 und August 2014 mit sieben Testfahrzeugen und zwei Messwagen insgesamt 9300 Kilometer auf deutschen Autobahnen zurückgelegt, um die Netzabdeckung zu überprüfen. Das Ergebnis überraschte sogar Chefredakteur Dirk Waasen: „Der Netzausbau ist erstaunlich weit fortgeschritten, die Empfangslücken werden immer kleiner“, sagte er bei der Vorstellung der Testergebnisse auf der Ifa in Berlin. Nur auf 80 Autobahnkilometern mussten die eingebauten DAB+Radios auf UKW zurückschalten.

Digitales Radio hat einen schlechten Ruf

Die geringe Akzeptanz des Digitalradios hat nachvollziehbare Gründe: Der erste DAB-Standard hatte durch Störgeräusche, geringe Senderzahl und hohe Gerätepreise einen schlechten Ruf. Mittlerweile gibt es über 60 Sender, auch die Störgeräusche sind Geschichte. Ein echter Hemmschuh sind aber nach wie vor die Preise. Für Digitalradios im Auto werden Aufpreise von bis zu 400 Euro fällig. Dabei profitieren besonders Autofahrer von der digitalen Radiotechnik: Genaue Stauinformationen und Warnungen vor Falschfahrern sind die Vorteile.

Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios und einer der größten Befürworter des Digitalradios, hofft auf die normative Kraft des Faktischen. Im Gegensatz zum ARD-Vorsitzenden Lutz Marmor setzt er sich für ein festes Abschaltdatum des UKW-Empfangs ein. Bis 2025 soll das analoge Radio durch DAB+ ersetzt werden.

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