Medien : Dänische Ermittlungen

„Unit One“: Mit Emmy prämierte Krimiserie im ZDF

Thomas Gehringer

Man könnte meinen, wer in Fernsehkrimis auf wahre Fälle zurückgreift, der ist nur zu bequem, sich selbst etwas auszudenken. Für die dänische Serie „Unit One“ gilt das sicher nicht: Mehrere Autoren haben den realen Stoff in Geschichten eingebettet, die von einem sehenswerten Ensemble an Ermittlern getragen werden.

„Unit One“ heißen die Sonderkommissionen bei der dänischen Staatspolizei, die die besonders schwierigen Fälle zu lösen haben. Elite-Polizisten also, die freilich auch besonderen Belastungen ausgesetzt sind. So tritt das Team um Hauptkommissarin Ingrid Dahl (großartig: Charlotte Fich) nicht als Ansammlung von Superbullen auf, sondern als sehr normale Alltagshelden, die Mühe haben, Berufs- und Familienleben miteinander zu verbinden. Diese erfundenen Figuren wirken sehr real, während die realen Kriminalfälle zu spannenden Serienfolgen verarbeitet wurden. Die Reihe wurde 2002 mit dem Emmy geadelt. In Dänemark, wo das Publikum zudem die Schlagzeilen über die realen Verbrechen vor Augen haben konnte, erreichte die bisher 32-teilige Serie Marktanteile von bis zu 60 Prozent.

In der ersten der sechs vom ZDF angekauften Folgen wird „Unit One“-Chef Torben Rönne in seinem Haus ermordet. Außerdem wird dort eine zweite männliche Leiche gefunden. Das schockiert nicht nur die ehemaligen Kollegen, sondern führt auch zu Spannungen: War ihr Chef homosexuell? Ist es richtig, nun im Stricher-Milieu sein Leben auszuforschen? Und dann ist da noch die Frage, wer sein Nachfolger werden soll. Ingrid Dahl macht das Rennen, obwohl ihr älterer Kollege „IP“ Jorgensen (Waage Sando) eigentlich an der Reihe wäre. Findet jedenfalls dessen Ehefrau.

Neben dem ausgezeichneten Zusammenspiel der Darsteller besticht „Unit One“ auch durch eine ungewöhnliche Kameraarbeit. Das scheint in skandinavischen Krimis Tradition zu sein, wie man gerade im ZDF bei den Wallander- und Beck-Reihen immer wieder beobachten konnte. Es hat wohl damit zu tun, „dass die Sender viel mehr Freiheiten haben und der Druck der Quote nicht so groß ist wie bei uns“, sagt Peter Nadermann von ZDF-Enterprises. Da wünscht man sich doch, dass Johannes B. Kerner ganz viel Sommerurlaub nimmt.

„Unit One: 23 Uhr 15, ZDF

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