Medien : Das Berliner „Spiegel“-Büro verändert sich

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„Das kommentiere ich nicht, das kommentiert sich von selbst“, sagt Gerd Rosenkranz auf die Frage, warum er den „Spiegel“ verlässt. Seit 1999 war der 54jährige Naturwissenschaftler, der gerade den Kisch-Preis gewonnen hat, im Hauptstadtbüro des „Spiegel“ angestellt. Er befasst sich vor allem mit Umweltthemen. Zuletzt war Rosenkranz neben Harald Schumann als Autor einer Titelgeschichte über Windenergie im Gespräch, die im „Spiegel“ nicht veröffentlicht wurde. Chefredakteur Stefan Aust gab stattdessen zwei anderen Redakteuren den Auftrag. Deren Geschichte erschien am 29. März mit der Überschrift „Der Windmühlenwahn“ und behandelte das Thema sehr kritisch.

Daraufhin kam es zu erheblichen Unstimmigkeiten. Schumann kündigte und veröffentlichte den abgelehnten ursprünglichen Artikel bei der „Netzeitung“. In der folgenden Diskussion erklärte Aust, es sei „natürlich grundsätzlich Aufgabe der Chefredaktion, unsinnige oder nicht der Realitätsprüfung standhaltende Geschichten nicht zu drucken“. Wegen der Veröffentlichung in der „Netzeitung“ kam es auch zum Streit zwischen Aust und Rosenkranz. Anfang Juni dann sollte Rosenkranz über die Energiekonferenz in Bonn schreiben, einen Politikaufmacher. Der geplante Artikel erschien, aber deutlich gekürzt, weiter hinten im Blatt und umgeschrieben. Nach Schumann geht nun auch Rosenkranz.

Einer der beiden Autoren der von Aust neu in Auftrag gegebenen Windrad-Geschichte wird wohl demnächst aus dem Berlin-Büro nach New York wechseln. Frank Hornig soll dort Anfang 2005 Jan Fleischhauer ablösen. Fleischhauer wird Stellvertreter von Gabor Steingart, dem Chef im Hauptstadtbüro. Er folgt Dirk Kurbjuweit, der wieder als Autor arbeiten will. usi

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