Medien : Das Drama um Jennerwein Heimatfilm mit Christoph Waltz

Thilo Wydra

Es ist Winter, irgendwo in der Schlierseer Gegend, um 1870/71 herum. Der Deutsch- Französische Krieg ist gerade vorbei, die Überlebenden kehren heim zu ihren Familien, in die Berge, auf die Dörfer. Auch Girgl Jennerwein (Fritz Karl) und sein Jugendfreund Pföderl (Christoph Waltz) haben den Feldzug überstanden. Girgl besucht seine Mutter Maria (Monika Baumgartner), Pföderl geht zu Agerl (Sabrina White), seiner Liebe. Doch die reagiert reserviert. Die Freude über seine Rückkehr steht ihr nicht ins Gesicht geschrieben. Also wirbt Pföderl um seine Agerl – doch die verliebt sich in Girgl. Es fasziniert sie, wie er sich gegen die selbstherrlichen Großgrundbesitzer auflehnt. Girgl wird von dem diabolischen königlichen Forstbeamten Mayr (August Schmölzer) geschasst, der seinerzeit schon Girgls Vater hat umbringen lassen, und er nimmt sich zweier verlorener Waisenkinder an, die er Agerl bringt. Der heroische Heimkehrer und die anmutige Schöne kommen sich näher. Aus dem Freund Pföderl wird der Feind, der sich mit Mayr zusammentut. Die Fronten verhärten sich, zumal Jennerwein das verbotene Wildern nicht lässt. So scheint sein Schicksal bald schon besiegelt …

Jennerwein, 1848 bis 1877, war ein Volksheld, ein heroischer Wilderer, der wie Robin Hood den Armen beistand und sich gegen die Oberen auflehnte. Regisseur, Autor und Kameramann Hans-Günther Bücking hat ihm mit seinem gleichnamigen Heimatfilm nunmehr ein kleines Denkmal geschaffen. „Jennerwein“ widmet sich einem unpopulären, weil regional-historischen Thema, ganz ähnlich zu Jo Baiers „Schwabenkindern“ (2003). Zugleich ist der Film klein und unprätentiös gehalten, wartet mit keinerlei effekthaschenden Stilmitteln auf und zeigt Darsteller, die in ihrem Spiel sehr zurückgenommen agieren. Bückings Drama ist also ein Special-Interest-Film in der Prime Time. Bücking, der langjährige Kameramann („Der Tanz mit dem Teufel“, „Solo für Klarinette“), der immer mal wieder auch die Inszenierung übernimmt („Die Häupter meiner Lieben“), hält seinen Film, zu dem er mit Co-Autor Holger Zimmermann auch das Drehbuch verfasste, sehr dunkel, in düsteren, mystischen Bildern. Nur wenn’s rausgeht in die Schneelandschaft, hellt sich alles für einen kurzen Moment etwas auf. Keine Freude mag in diesen Leben aufkommen, alles ist gedrückt, schwer – es ist eine bleierne Zeit. Nur Jennerweins kleine soziale Rebellion steht dagegen und seine Liebe zur schönen Agerl. Für beides kämpft er, doch früh schon ist zu spüren, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist. Sehenswert.

„Jennerwein“: 20 Uhr 15, ARD

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