Medien : Das Ende einer langen Feindschaft

mot/uwe

Im Springer-Vorstand behandelt man die Angelegenheit nach außen betont sachlich: Die Verkaufs-Option über die Pro Sieben Sat 1-Anteile ist mit der Kirch-Gruppe vertraglich vereinbart - und daran haben sich Geschäftspartner, die sich so lange kennen, bitteschön zu halten.

Dass Kirch die geforderten 770 Millionen Euro nicht zahlen kann und damit ausgerechnet von seinen Geschäftsfreunden bei Springer die Instrumente gezeigt bekommt, die ihm das Genick brechen könnten, wissen Verlegerin Friede Springer und Springer-Chef Mathias Döpfner natürlich nur zu gut. Die juristischen "Taschenspielertricks", mit denen Kirch jetzt versuche, ein geschlossenes Geschäft anzufechten, seien der "letzte Einschüchterungsversuch" des bayerischen Medienmoguls, heißt es.

Das klingt wie der Anfang vom Ende einer langen Feindschaft. Und so ist es wohl auch. Zwar hatten sich die Witwe des Verlegers Axel C. Springer, Friede Springer, und Leo Kirch in den letzten Jahren zusammengerauft. Aber Freundschaft war nie entstanden zwischen den Großgesellschaftern. Friede Springer hat bis heute nicht vergessen, dass Kirch von Mitte der 80er Jahre an fast zehn Jahre lang versucht hatte, die Erben gegeneinander auszuspielen und im Hause Springer die Mehrheit zu übernehmen.

Kirch war der Einstieg nur mit Hilfe der Banken des Springer-Konzerns gelungen. Die hatten dem todkranken Axel C. Springer, der eigentlich alles für einen Einstieg der süddeutschen Burda-Familie vorbereitet hatte, Kirch als Partner nahe gelegt. Ein Schritt, der schon damals viele verwunderte: Denn der Verleger Springer selbst hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er von Kirch nicht besonders viel hielt. Eine Abneigung, die sich auch auf einen Teil seiner Erben übertrug. Kirch wollte seinen Zehn-Prozent-Anteil ausdehnen, ein Sohn und zwei Enkel wandten sich "mit Entsetzen" an die Öffentlichkeit. Eine jahrelange Auseinandersetzung schloss sich an.

Damals, als Krieg herrschte zwischen den Erben Axel C. Springers und dem Medienunternehmer Kirch, da installierte Kirch den Manager Jürgen Richter an der Spitze des Unternehmens und dokumentierte damit seinen Sieg über die Erben und Nachlassverwalter. Der konservative Manager war zu der Zeit gerade ein paar Monate bei Springer angestellt - und der Verlag hatte sich längst für einen anderen Spitzenmann entschieden. Drei Jahre später wurde Richter entlassen, und der Neue, Gus Fischer, fühlte sich ohnehin eher dem Medienunternehmer Murdoch verbunden als Leo Kirch. Bei der letzten Neubesetzung im Vorstand setzte sich dann Friede Springer durch. Sie wählte Mathias Döpfner, der im Januar den Vorstandsvorsitz übernahm.

Auch der freundliche Ton, den die beiden Mehrheitsgesellschafter beim Amtsantritt von Matthias Döpfner im Januar zu einander suchten, kann nicht darüber hinweg täuschen: Springer hat sich vor allem deshalb mit Kirch arrangiert, weil die Alternativen für den Konzern noch unattraktiver sind. So wird dem aggressiv expandierenden australischen Verleger Rupert Murdoch seit Jahren ein Interesse an Springers Kerngeschäft, den Zeitungen, nachgesagt.

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