Medien : Das Heft mit vielen Leben

Prinz Charles’ Liebe und Platzecks Kindheit: „Biografie“, das neue Heft des „Stern“, erzählt die Geschichten bekannter Persönlichkeiten

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Die spannendsten Lebensläufe sind immer die bewegten, die mit den Brüchen in Neuanfängen, schreibt Petra Schnitt im Editorial der Zeitschrift „Biografie“. Die erste Ausgabe des Magazins wird am Montag erscheinen. Die erste? Petra Schnitt bezieht sich mit ihrem Satz auch auf das Blatt, dessen Redaktionsleiterin sie seit kurzem ist. „Biografie“ lag schon mehrfach am Kiosk. Mal hieß es „Biographie“, mit „ph“ geschrieben, das war vor der Rechtschreibreform; mal hieß es „Famous“, ganz trendy und international, dann wieder hieß es „Biografie“, mit „f“ geschrieben, dazu die Erklärung „ein Magazin von P.M.“. Das ist das Wissenschaftsmagazin von Hannes Sprado, dem Erfinder von „Biographie/Famous/Biografie“. Und jetzt, bei der jüngsten Widergeburt, heißt es „Stern Spezial Biografie – Menschen, Dramen, Lebenswege“.

Diese Zeitschrift verführt zum Lesen. Nicht von vorn nach hinten, eher im Zick-Zack. Man beginnt zum Beispiel mit Michael Jürgs’ Stück über Günter Grass, liest dann das Porträt der Ally-McBeal-Darstellerin Calista Flockhart, lässt sich von Matthias Platzeck im Gespräch mit Wolfgang Joop die Kindheit des Brandenburger Ministerpräsidenten erzählen, entspannt bei der „Biografie in Bildern“, lässt sich gar hinreißen, die „Geschichte einer Liebe“, nämlich jener zwischen Prinz Charles und Camilla zu lesen, ärgert sich über Ariane Sommer, die mit den ihr angehefteten Klischees vergeblich aufräumen will, liest zur Versöhnung die „Geschichte eines Verbrechens“ – und am Ende hat man das ganze Heft ausgelesen. Gern hätte man immer noch etwas mehr gehabt – was ja besser ist als nachsehen zu müssen, wie lange der Text denn noch ist. Und jede Geschichte hat, irgendwie, einen aktuellen Bezug.

Das Blatt hat mehr Herausgeber (die beiden „Stern“-Chefredakteure und Sprado) als Redakteure (einen festen und einen freien), und Petra Schnitt ist nicht Chefredakteurin, sondern nur Redaktionsleiterin. Aber mit 58, sagt die frühere „Stern“-Textchefin, brauche sie kein Hierarchie-Geplänkel. Außerdem mache die Arbeit an dem Heft und mit all den guten, zum Teil prominenten Autoren viel Spaß.

Man mag wünschen, dass sie den lange hat. Verkauft das Monatsmagazin von den ersten zwei, drei Ausgaben weniger als 100 000 (zu je drei Euro), verschwindet es in der Versenkung, so wie andere, hoffnungsvoll gestartete „Stern“-Beischiffe zuvor (das Computermagazin „Konrad“, das Musikmagazin „Amadeo“). Immerhin traut sich der Verlag Gruner + Jahr. Das Risiko ist überschaubar. Ulrike Simon

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