Medien : Das ist der Gipfel II

Sat-1-Film bringt die Liebe nach Heiligendamm

Thilo Wydra

Der G-8-Gipfel steht vor der Tür. Da ist es schon ein geschickter Clou von Sat1, einen eigenproduzierten Fernsehfilm auszustrahlen, der sich des Themas bedient und es mit einer nahezu unmöglichen Liebesgeschichte verknüpft. Zu diesem Aktualitäts-Bonus kommt, dass „Frühstück mit einer Unbekannten“ den erfolgreichen BBC-Film „The Girl in the Café“ adaptiert, der mit einem „Cinema for peace“Award ausgezeichnet wurde. Sat1 hat sich entsprechend angestrengt. Inszeniert von Maria von Heland nach dem Drehbuch von Martin Rauhaus, prunkt die Produktion mit Schauspieler-Prominenz, von Julia Jentsch und Jan Josef Liefers über Stefan Kurt und Jürgen Heinrich, über Simone Thomalla und Jördis Triebel bis hin zu Andrea Sawatzki und Iris Berben. Und einmal, es mögen nur einige Minuten sein, da ist Catherine Deneuve zu sehen, neben Jeanne Moreau die große Dame des französischen Kinos.

Eigentlich kann da nun nichts mehr schief gehen. Einzig sind Inszenierung und Dramaturgie des Polit-Liebesfilms teils derart holprig, die Dialoge ungelenk und die Figuren grob gezeichnet, dass die Schauspieler dagegen ankämpfen müssen. Dies tun sie leidlich, redlich bemüht, ein Fernsehereignis zu tragen. Die Geschichte, nicht ganz unkompliziert, ist zunächst rasch erzählt: Laurens (Liefers) arbeitet im Finanzministerium, er ist einer der ganz getreuen Leute aus dem Stab des Ministers Vorschmidt (Heinrich). Der G-8-Gipfel wird vorbereitet, Vorschmidt und seine Mitarbeiter werden alsbald nach Heiligendamm in das Hochsicherheitshotel reisen.

Außer seinem Job, da hat dieser Mittvierziger Laurens nicht allzu viel, auch keine Frau, keine Familie. Als er eines Tages die ungleich jüngere Hebamme Gina (Jentsch) in einem Café kennenlernt, da wird aus einem Zufall Schicksal: Laurens nimmt Gina nach einigem Hin und Her mit nach Heiligendamm, wohin sie eben alle mitkommen, die Partner und Begleiter der politischen Kaste, und sich im Hotel zwischen Langeweile und Luxus bewegen. Doch Gina schmecken weder die Langeweile noch der Luxus, zwar harrt sie eine Zeitlang geduldig aus, wartet auf Laurens, bis er Mitternacht aus den Meetings kommt, doch will sie nicht kompatibel sein mit einer Welt der Geltungsgier, der opportunistischen Machenschaften, der politischen Euphemismen. Gina eckt an. Spricht aus, was keiner hören will. Engagement für die Armen der Welt einerseits, Verfolgung politischer Interessen andererseits. Das muss kollidieren. Und Finanzminister Vorschmidt muss seinen getreuen Laurens irgendwann zur Raison rufen, bis es, letztlich unvermeidbar, erst zum privaten, dann zum politischen Eklat kommt.

„Frühstück mit einer Unbekannten“, das ist der Film der guten Absicht, des guten Gewissens, der Film des „Gutmenschentums“. Nur, dass er eben nicht wirklich zu überzeugen vermag. Trotz all der vielen guten Namen. Beim echten G-8-Gipfel muss mehr herauskommen, sonst wird’s ein Flop. Thilo Wydra

„Frühstück mit einer Unbekannten“, Sat 1, 20 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar