Medien : Das Janke-Drama

14 Verwaltungsräte suchen einen ZDF-Programmdirektor

Joachim Huber

Die Stelle des ZDF-Programmdirektors ist seit sieben Monaten verwaist, seitdem Markus Schächter im März aus der Programmdirektion in die Intendanz des Mainzer Fernsehsenders aufgestiegen ist. Am Freitag soll der Verwaltungsrat den Nachfolger bestimmen. Schächter hat das alleinige Vorschlagsrecht. Von 14 Stimmen braucht sein Kandidat eine Drei-Fünftel-Mehrheit, also neun Stimmen. Schächter hat einen Kandidaten, den kommissarischen Programmdirektor Hans Janke. Aber Schächter hat keine Mehrheit für Janke. Aus dem Verwaltungsrat heißt es, es gäbe eine Patt-Situation, sieben Stimmen auf SPD-Seite stünden sieben konservative Voten gegenüber. Es liegt auch an Janke selbst wohl nicht: Er ist, was auch Konservative einräumen, einer der Fachleute für fiktionales Fernsehen in Deutschland.

Was Janke dann verhindert? Er steht der SPD nicht so fern wie den anderen Parteien. Das macht ihn in konservativen Augen nicht wählbar, schon gar nicht nach einer verlorenen Bundestagswahl, an deren Verarbeitung die Spitzen von CDU und CSU hart arbeiten. Jetzt müssen Siege, auch fragwürdige, her. Im ZDF-Verwaltungsrat sitzen die Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und Edmund Stoiber (CSU). Zusammen mit der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel haben sie sich gegen Janke verschworen, heißt es. Ein „Schwarzer“ müsse in die Programmdirektion. Thomas Bellut, Chef der ZDF-Innenpolitik, wird genannt. Aber auch er braucht neun Stimmen – die die Konservativen auch nicht haben. Eine Variante, die deswegen durchgespielt wird: Bellut als Programmdirektor, dafür werden die „Roten“ unter anderem mit dessen Innenpolitik-Posten entschädigt.

Die beste Lösung im Sinne des ZDF wäre damit verpasst: Programmdirektor Hans Janke, Thomas Bellut folgt Helmut Reitze als Leiter der Hauptredaktion Aktuelles nach. Reitze wird als Favorit für die ebenfalls am Freitag stattfindende Wahl des Intendanten beim Hessischen Rundfunk gehandelt.

Für Intendant Markus Schächter kann der Freitag ein „schwarzer Freitag“ werden. Er hat sich für Janke ausgesprochen. Schlägt er diesen vor und kommt damit nicht durch, dann muss er eine große Niederlage einstecken. Schlägt er Bellut vor und kommt durch, dann ist das eine kleine Niederlage. Selbst die Möglichkeit, dass die Wahl verschoben wird, würde nichts am fatalen Eindruck ändern: Auf dem Mainer Lerchenberg sitzt ein Intendant, den die Parteipolitiker am Nasenring durch den Sender führen. Schächter beschädigt, Bellut auf dem für ihn zweitbesten Posten. Und Hans Janke? Der hat ein Angebot auf dem Tisch: Fernsehdirektor beim Südwestrundfunk (SWR). Das Angebot kommt von SWR-Intendant Peter Voß. Voß ist ein Konservativer, verblendet ist er nicht.

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