Medien : Das Raumfahrt-Rennen

„Wettlauf zum Mond“, eine ARD-Dokumentation

Simone Schellhammer

Die Welt bewunderte 1961 Juri Gagarin, den ersten Mann im Weltraum, und sah acht Jahre später voller Spannung zu, wie Neil Armstrong den Mond betrat. Ebenso faszinierend wie diese Momente ist auch die Geschichte, die sich dahinter verbirgt: der Wettlauf der beiden Supermächte um die Vormachtstellung im All. Auf der Seite der Amerikaner war es der ehemalige Nazi Wernher von Braun, der das Raketenprogramm leitete. Die Sowjetunion hingegen verschwieg aus Sicherheitsbedenken den Namen ihres genialen Raketen-Spezialisten Sergej Koroljov bis zu seinem Tod 1966. Dem Wettkampf dieser beiden Männer, die sich nie begegnet sind, widmet sich die vierteilige Dokumentation mit großem Aufwand. Auch wenn das Budget der internationalen Koproduktion bei der Pressevorführung nicht genannt wurde, kann von mehreren Millionen Euro ausgegangen werden. Außer der englischen BBC und dem NDR sind National Geographic (USA) und der russische Sender Channel One beteiligt.

Die vier Filme verdeutlichen, dass die sowjetischen Techniker über mehrere Jahre den amerikanischen Kollegen weit voraus waren. Wobei beide Seiten sich nach dem Zweiten Weltkrieg deutscher Raketenexperten bedienten. Und so beginnt der erste Teil, „Der Aufbruch ins All“, mit der mörderischen Rakete V2. Ihr Konstrukteur, Wernher von Braun, hatte bis 1945 tausende dieser Raketen bauen lassen. Mehr als 20 000 Zwangsarbeiter waren dabei gestorben. Von Braun läuft zu den Amerikanern über und wird mit seinem Team in die USA ausgeflogen.

Unterdessen hat Stalin den Ingenieur Koroljov nach sechs Jahren Gulag zum Chefkonstrukteur seines Raketenprogramms gemacht und mehr als tausend deutsche Raketenexperten in die Sowjetunion bringen lassen. Der erste Etappensieg geht an Koroljov, der 1949 eine Rakete in den Himmel schickt, die doppelt so weit fliegt wie die V2. Schnell wird klar, dass damit nicht nur Menschen ins All, sondern auch Kernwaffen über Kontinente hinweggetragen werden sollen.

Richtig spannend wird es in den drei folgenden Teilen der Dokumentation, die mit zahlreichen Spielfilmelementen und Computeranimationen arbeitet. „Der Sputnik-Schock“ erzählt die Geschichte des ersten Erdsatelliten – auch das eine Niederlage für die Amerikaner. In der dritten Folge unternimmt nach zahlreichen Rückschlägen erst Juri Gagarin und dann Alan Shepard den lang ersehnten Raumflug. Dabei zeigt die BBC-Autorin Deborah Cadbury erstmals Bilder des Nedelin-Desasters, das 1960 beim Fehlstart einer russischen Interkontinentalrakete 126 Todesopfer forderte und 30 Jahre von der Sowjetregierung geheim gehalten worden war. Auch der Schlusspunkt, „Die Apollo-Mission“, in dem es um die Mondlandung geht, berichtet unter anderem über die Menschen, die bei diesem Wettlauf ihr Leben ließen, und die Skrupellosigkeit, mit der die Raketenprogramme von den Supermächten vorangetrieben wurden.

„Wettlauf zum Mond“, 21 Uhr, ARD, weitere Folgen am 23. und 30. Januar und am 6. Februar

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