„DDR Ahoi“ : Bananen an Bord

Die Seefahrer in der DDR erlebten, wovon ihre Mitmenschen nur träumen konnten. Eine Dokumentation zeigt, was die Männer zwischen Rio, Havanna und Port Said erlebten.

Katja Hübner
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Foto: MDRFoto: MDR/Hoferichter & Jacobs

Es gab DDR-Bürger, die bekamen schon bei dem Wort „Bananen“ einen Brechreiz. Sie hatten einfach zu viel davon gegessen. Nicht zu Hause, sondern auf ihren Reisen nach Rio de Janeiro, Havanna oder Port Said. Diese Spezies nannte sich „Seefahrer“ und erlebte, wovon viele andere in der DDR nur träumen konnten: die Welt, von Hafen zu Hafen. Davon erzählt Autor und Regisseur Lutz Pehnert in seiner zweiteiligen Dokumentation „DDR Ahoi“, die in diesem Jahr mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Es geht um den Aufstieg der DDR zu einem der wichtigsten Seefahrerländer der Welt und um jene, die daran beteiligt waren: auf den Schiffen der Handelsflotte, auf Urlauberdampfern und Fischtrawlern.

Nun also die Fortsetzung. Der dritte Teil der MDR/NDR-Koproduktion erzählt in fünf Porträts die Zeit nach der DDR. Was ist aus den Seefahrern geworden, was von ihren Abenteuern geblieben? Gisbert Ruhnke fuhr drei Jahrzehnte zur See. Heute ist er der Hafenkapitän in Rostock. Nüchtern konstatiert er den Zusammenbruch: „1989 hatten wir 9200 Seeleute, 1992 waren wir noch 400, der Rest war entlassen.“ Und während er an den Piers des Rostocker Hafens entlangfährt, sagt er, es sei heute besser als damals. Weil die Schiffe nicht mehr einfach nur im Hafen herumliegen würden, wo sie kein Geld bringen. Der Film erzählt das Danach nicht als Klagelied, sondern als eine Geschichte von Erfahrungen und als eine der Selbstbehauptungen. „Nur den Fisch anbieten, den man selber isst“, lautet die Maxime eines ehemaligen Hochseefischers. Als das Fischkombinat Rostock aufgelöst wurde, ging er nicht zum Arbeitsamt, er eröffnete in Leipzig ein Fischgeschäft.

Das dokumentarische Material des Films stammt ausschließlich von den Seefahrern selbst, Weltentdeckungen in Orwo-Color. Die Amateuraufnahmen dienen nicht einfach nur der Illustration einer ostdeutschen Seefahrer-Romantik, sie zeigen aus intimer Perspektive den DDR-Alltag auf hoher See. Katja Hübner

„DDR Ahoi: Helden der See“, MDR, 22 Uhr 30

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