Medien : Der Barbara-Blues

Neue Frauenzeitschrift „Woman“ bietet die klassischen Themen

Lisa Stocker

Montagmorgen, trüb und kalt. Plötzlich ein Strahlen vom Kiosk. Barbara Schöneberger! Die Frau, die der Medienszene so wunderbar gezeigt hat, wie man Krisen mit Witz erfolgreich übersteht. Motto: Selbst schuld, wer in diesen Zeiten graue Haare kriegt. Ich bin blond! Und beliebt! Weshalb man der neuen Frauenzeitschrift „Woman" für das Schöneberger-Cover schon mal einen Punkt geben muss. Die Botschaft ist klar: Sollen die anderen den minütlich schrumpfenden Anzeigenmarkt ruhig beäugen wie das Kaninchen die Schlange - Gruner & Jahr trotzt der Krise. Und zwar mit einer deutschen Adaption der 14-tägig erscheinenden „Woman", die der österreichische News-Verlag seit Oktober 2001 recht erfolgreich verkauft.

Patente Frauen können ja an guten Angeboten bekanntlich nur schwer vorbeigehen. Und wenn „Vogue“ auf dem Markt der Frauenzeitschriften ein Schmuckstück symbolisiert, dann soll „Woman" eben der Multifunktions-Küchenhobel werden. Geeignet für alle Lebenslagen, mit etwas Politik, etwas Prominenz und vielen praktischen Tipps.

Im Aktuellen" darf Rita Süssmuth Bilanz ziehen: „Lovely Rita war ich nie". Cover-Girl Schöneberger verrät, dass sie für ihre 230 Quadratmeter-Wohnung keine Putzfrau braucht, weil sie beim „Rumwursteln" so gut Stress abbaut. Was den positiven Nebeneffekt hat, dass 30 Minuten Putzen 211 Kalorien verbraucht. (Steht hinten im Heft, bei Fitness.) Keines der klassischen Frauenzeitschriften-Ressorts fehlt: Beruf, Beauty, Gesundheit, Essen, Living, Reise, Kino, Musik, TV. Und dann die Umfrage „Wie glücklich sind Sie in Ihrer Beziehung?" 79 Prozent antworteten, sie hätten ihren Traummann gefunden. 79 Prozent! Wie schön! Und das alles zum „Woman“-Einführungs-Preis von nur einem Euro!

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